Für den Goldschmied Carl Peter Fabergé begann der Abstieg mit dem Verlust seines besten Kunden. Der wiederum war seines Lebens verlustig gegangen. Zar Nikolaus II. wurde 1918 von den Bolschewisten hingerichtet. Zuvor hatte der Zarenhof allerdings für einen beispiellosen Aufstieg des Goldschmiedes gesorgt. Fabergé war zeitweise der wichtigste Luxusartikelhersteller der Welt. Es hatte damit begonnen, dass Fabergé, Sohn französischer Einwanderer, dem Zaren zwei goldene Zikaden als Manschettenknöpfe fertigte.

Der war davon so angetan, dass er ein Überraschungsei für die Zarin in Auftrag gab. Es glich einem übergroßen Hühnerei, aber im Inneren nistete eine Henne im goldenen Nest mit Zarenkrone und Rubinohrringen im Gefieder. Bald fertigte Fabergé die Eier in Serie. Eines hatte ein Kriegsschiff im Bauch, das auf einem Meer aus Aquamarin schwamm, ein anderes enthielt ein Modell der Transsibirischen Eisenbahn. Insgesamt 54 Eier schuf Fabergé. Die machten ihn so bekannt, dass sich der Ruf von Fabergé als Luxusmarke bis heute gehalten hat. Obgleich es 90 Jahre lang keine Fabergé-Juwelen gab. Zuletzt hatte der Unilever-Konzern die Namensrechte und nutzte sie für Kosmetik.

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Nun soll Fabergé in neuem Glanz erstrahlen. Die Finanzbeteiligungsgesellschaft Pallinghurst, die sich ansonsten eher auf Investments im Bergbau versteht, hat mithilfe von Fabergé-Erben die Marke wiederbelebt. Vom Schmuckdesigner Frédéric Zaavy ließ man etwa hundert Einzelstücke fertigen, die in ihrer Pracht jeden echten Russen entzücken. Blumen und russische Fabelwesen sind Inspirationsquellen, gerade so hätte es der alte Carl Peter gemacht. Spektakulär ist auch die Vertriebsform. Außer in einer Genfer Boutique ist der Schmuck nur im Internet zu sehen. Auf der Website www.faberge.com lassen sich Stücke betrachten, die 40000 bis mehrere Millionen Euro kosten.

Interessenten können über Skype mit den Schmuckberatern Kontakt aufnehmen und sich die Stücke zur Ansicht kommen lassen, überallhin auf der Welt – die erste Luxusmarke, die sich vor allem online verkauft. Das ist für die Firma erheblich günstiger, als etliche Läden in den teuren Städten der Welt zu unterhalten. Und wenn es an einem dieser Orte mal wieder zu einer Revolution kommt, gehen dort vielleicht die Computer aus, aber Fabergé hat wenig zu befürchten.