Heute schon gegoogelt? Zur Information: Alle Suchanfragen werden gespeichert. Doch hier geht es ausnahmsweise nicht um die Furcht vor dem Missbrauch solcher Daten, sondern um deren sinnvolle Verwendung. Denn für Sozialwissenschaftler, Epidemiologen oder Arbeitsmarktforscher sind sie ein wahrer Schatz. Die Suchmaschine Google, könnte man sagen, macht die größte anonyme Trendumfrage der Welt. Kontinuierlich.

Die Statistiken aller Google-Anfragen sind jedermann frei zugänglich und lassen sich mithilfe des Tools "Google Insights for Search" abrufen. Eine erste Fingerübung: Was wurde in Deutschland von Ende August bis Ende September absolut am häufigsten gesucht? Antwort: YouTube, gefolgt von Facebook, eBay und Wetter. Welche Suchanfragen haben in diesem Zeitraum am stärksten zugelegt? Jene nach dem Begriff "Wahl-O-Mat" (in verschiedenen Schreibweisen), gefolgt von "Bundestagswahl 2009" – offenbar hat der Wahlkampf die Bürger doch interessiert. Aber wenden wir uns der Zukunft zu.

Was verraten die Begriffe Halsschmerzen, Fieber, Grippe? Bereits im November 2008, einige Monate vor Auftreten des Schweinegrippe-Virus A/H1N1 in Mexiko, haben Google-Forscher zusammen mit der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention ein Frühwarnsystem für Grippe-Epidemien und Pandemien entwickelt, bislang für Australien, Neuseeland und die USA. Google Flu Trends fußt auf der Annahme: Wer körperliche Beschwerden hat, informiert sich heutzutage erst mal im Internet, bevor er zum Arzt geht. Das System analysiert Millionen anonymisierter Suchabfragen nach typischen Symptomen und Begriffen wie "Grippe" und "Influenza". Weicht die Zahl in einer Region plötzlich vom Durchschnitt ab, steht womöglich eine Grippewelle bevor.

Ob das funktioniert? Die Forscher verglichen die Suchbegriffe der vergangenen Jahre mit der Krankheitsstatistik. Im Idealfall, schreiben sie in der Wissenschaftszeitschrift Nature , lasse sich über Flu Trends ein Anstieg erkennen, noch bevor die Behörden eine Zunahme von Grippe-Infektionen registrieren.

Etwas ganz anderes möchte Klaus Zimmermann mithilfe der Suchdatenschätze prognostizieren. Den Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) interessiert die kurzfristige Entwicklung am Jobmarkt. "Wir haben versucht, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen", sagt Zimmermann. Dazu hat man beim IZA die Suchanfragen von 2004 bis heute analysiert und daraus eine Formel abgeleitet, die unter anderem berücksichtigt, wie oft nach "Jobbörsen" und "Arbeitsamt" gesucht wird: Steigendes Interesse an Jobbörsen verspricht eine geringere Arbeitslosigkeit. Nach "Arbeitsamt" suchen hingegen eher künftige Arbeitslosengeldbezieher – ein Hinweis auf steigende Arbeitslosigkeit.

Bis auf einzelne Ausrutscher, etwa als Anfang des Jahres die Kurzarbeit rasch stark zunahm, können sich die Prognosen inzwischen durchaus mit den klassischen Indikatoren messen. "Und es ist erst der Anfang", sagt Zimmermann, "mit jedem Monat, der vergeht, schärfen wir unser neues Instrument, indem wir seine Vorhersagen mit der tatsächlichen Entwicklung abgleichen."

Bei weniger komplizierten Sachverhalten lassen sich mit Insights for Search bereits exaktere Ergebnisse ermitteln. Vor dem letzten Eurovisions-Schlagerwettbewerb etwa schlossen Google-Mitarbeiter von den Suchanfragen auf die Beliebtheit der Teilnehmer, auf die zu erwartende Punktzahl – und korrekt auf den späteren Gewinner.