Neue Enthüllungen über das iranische Atomprogramm. Streit unter den engsten Präsidentenberatern über Afghanistan. Ergebnislose Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern. Eben noch Vorsitz im UN-Sicherheitsrat zum Thema nukleare Abrüstung. Danach Gastgeber beim G-20-Treffen in Pittsburgh. Alles in drei Tagen. Die Verdichtung der Weltpolitik unter der Regie Barack Obamas ist beispiellos. Und ein wenig besorgniserregend.

Obama weiß, welche Hoffnungen auf seiner Präsidentschaft ruhen. "Diese Erwartungen gelten nicht mir", gab er sich vor der UN-Generalversammlung bescheiden. Falsch! Er hat sie selbst geweckt, mit seinen grandiosen Reden und seinen pompösen Visionen. Das eigene Land wieder zu einen; alle Erdenbewohner in der gemeinsamen Verantwortung für den Planeten zusammenzuführen: Darunter hat er es nicht gemacht. In Prag hat er eine "Welt ohne Atomwaffen" beschworen, in Kairo einen "neuen Anfang zwischen den Vereinigten Staaten und den Muslims in aller Welt".

Er hat die Menschheit mitgerissen. Sie hatte, nach acht Jahren Bush, auf einen wie ihn gewartet. Mit Obama gewann Amerika seine Glaubwürdigkeit und sein Ansehen zurück. Umso dringender stellt sich nun die Frage: Was bewirkt er im Konkreten? Amerikanisch formuliert: Can he deliver?

Nicht, dass er es bei Ankündigungen beließe! In einer mutigen Entscheidung hat er soeben den Verzicht auf die geplante Raketenabwehr in Polen und Tschechien erklärt. Er hat damit eine falsche Politik korrigiert. Denn ob das System wirklich in der Lage gewesen wäre, iranische Raketen im Flug zu zerstören, war mehr als zweifelhaft. Führende Wissenschaftler, unter ihnen zehn Nobelpreisträger für Physik, hatten Obama im Juli einen Brief geschrieben, in dem sie argumentierten, der Raketenschirm "würde wenig oder gar keinen Schutz bieten, nicht mal im Prinzip".

Russland, das immer schon mutmaßte, die Raketenabwehr sei in Wahrheit gegen das eigene Land gerichtet, lobte Obama. Aber die Regierungen Polens und Tschechiens fühlten sich düpiert – und dass nicht nur, weil Obama seinen Verzicht auf die Stationierung in Anrufen um Mitternacht, noch dazu am 70. Jahrestag des sowjetischen Einmarsches in Polen, verkündete. Der frühere tschechische Ministerpräsident sah darin ein Zeichen, dass die "Amerikaner nicht mehr so sehr interessiert sind an dieser Gegend".

Springen die Vereinigten Staaten jetzt so mit ihren besten Freunden in Europa um?, fragten viele in Polen und Tschechien. Kritiker daheim wollten wissen, was Obama denn bei den Russen für den Verzicht herausgeschlagen habe. Etwa nichts?

Urananreicherung zu friedlichen Zwecken? Da lacht der Mullah!

Die Sache war wohl etwas klüger eingefädelt, als dieser Vorwurf unterstellte. Jedenfalls hielt nur einen Tag nach Obamas Ankündigung der neue Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel eine aufschlussreiche Rede. "Ich bin davon überzeugt, dass die Nato und Russland vor einem Neuanfang stehen und in Zukunft eine weitaus ergiebigere Partnerschaft genießen können", sagte Rasmussen. Der Däne schlug allerlei konkrete Schritte zur Zusammenarbeit mit den Russen vor, darunter eine gemeinsame Raketenabwehr. Und Moskau erklärte schon einmal, die Stationierung von Iskander-Kurzstreckenraketen bei Kaliningrad aufgeben zu wollen.

So viel Aussöhnung ist also möglich, ein gutes Jahr nach dem Georgienkrieg und der Kontroverse um einen möglichen Beitritt Georgiens und der Ukraine zur Nato. Obama hat ein "Hirngespinst gegen die Wirklichkeit eingetauscht" (Fareed Zakaria in Newsweek ) und damit die Beziehungen zu Russland entspannt. Was von großem Nutzen sein kann im gerade wieder eskalierenden Atomstreit mit Iran.