Als ich diese Woche den neuen Palm Pre in die Hände bekam, fiel mir ein, was man sich über Pinguine erzählt: Sie sollen beim Fischefangen extrem vorsichtig sein, angeblich hüpft keiner freiwillig als Erster ins Wasser. Lieber drängeln sie so lange auf einer Eisscholle herum, bis ein anderer springt. Erst wenn der wieder auftaucht, ist klar, dass in der Tiefe nichts Böses lauert.

Was das mit einem Smartphone zu tun hat? Auf den ersten Blick ist der Pre ein fetter Fisch: Er ist das erste Handy mit dem Betriebssystem webOS, das Onlinedienste vorbildlich integriert, vom Exchange-Postfach über Twitter bis hin zu Terminkalendern im Internet. Zudem bietet es Vielschreibern eine ausziehbare Tastatur. Und auch der optional erhältliche "Touchstone", der den Akku drahtlos per Induktion auflädt, ist wirklich praktisch.

Ausprobiert – jede Woche eine technische Errungenschaft im Alltagstest © Getty Images

Trotzdem wäre es klug, sich diesen Fisch nicht sofort zu angeln. Nicht umsonst warnen Ökonomen die ersten Käufer neuer Produkte vor dem "Pinguin-Effekt" – den Nachteilen, die entstehen, solange es nicht viele andere Nutzer gibt. Beim Pre ist das Problem, dass der Katalog, aus dem man Zusatzprogramme (Apps) laden kann, bisher nur rund 80 Einträge enthält.

Gerade in der Extrasoftware besteht jedoch für viele der Reiz moderner Smartphones. Ob es für den Pre jemals eine ähnlich große Auswahl geben wird wie für iPhones (85.000) oder Android-Handys (10.000), hängt davon ab, ob sich webOS rasch verbreitet. Denn nur dann lohnt es sich für Programmierer, mehr Software zu schreiben. Wer nicht ins kalte Wasser springen will, sollte also lieber abwarten. Oder woanders fischen.