Eines der wenigen handfesten Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen im Bund ist der Nationale Stipendienfonds. Zehn Prozent aller Studenten sollen künftig ein Stipendium beziehen, fünfmal so viele wie heute. Den Hochschulen wird entsprechend ihrer Studentenzahl ein Kontingent zugeteilt – vorausgesetzt, sie finden Firmen oder Privatleute, die den Staatsanteil von 150 Euro pro Student und Monat verdoppeln.

Kaum ist der Fonds angekündigt, wird schon an ihm herumgemäkelt: Das Studentenwerk warnt, die Pläne dürften nicht zulasten des Bafögs gehen, Studentenverbände kritisieren den Fonds als unsozial, Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz fürchtet, Hochschulen in armen Regionen würden zu kurz kommen.

Angesichts der Bedenken droht aus dem Blick zu geraten, dass der Fonds – sofern er die Haushaltsberatungen übersteht – die größte Revolution der Studienfinanzierung seit der Einführung des Bafög wäre. Dank seiner gleichmäßigen Verteilung über alle Hochschulen würde er die soziale Schieflage bisheriger Stipendienprogramme beseitigen. Die Studienstiftung des Deutschen Volkes etwa fördert zu über 90 Prozent Universitätsstudenten. Sie stammen im Schnitt aus besseren sozialen Verhältnissen als Studenten an einer Fachhochschule, die mehr als 30 Prozent der Studierendenschaft ausmachen.

Auch die Kritik an der Einwerbung des privaten Anteils durch die Hochschulen greift zu kurz. Gerade mittelständische Unternehmen würden nie in einen anonymen Großfonds einzahlen, ihnen ist der lokale Kontakt zur Hochschule wie zum Stipendiaten wichtig. Dass das auch in strukturschwachen Regionen funktioniert, hat sich in Nordrhein-Westfalen erwiesen, wo die Universität Duisburg-Essen die meisten Stipendien einwarb. Außerdem haben die Bald-Koalitionäre versprochen, das Bafög trotzdem zu erhöhen. Bei aller Skepsis: Studenten und Hochschulen könnten sich über einen großen Wurf freuen.

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