Weil es keine Alternative gab, hieß es immer wieder, mussten Banken mit Summen in Milliardenhöhe gerettet werden. Jetzt gab es wieder keine Alternative: zur Abwicklung von Quelle. Nachdem die Bundesregierung eine Bürgschaft versagt hat, muss das Versandhaus endgültig schließen. Damit wird einer der klangvollsten Namen der deutschen Wirtschaftsgeschichte verschwinden.

Fast 10.000 Menschen sind betroffen, viele werden arbeitslos. Und Millionen von Kunden fragen sich, was aus ihren Bestellungen und Reklamationen wird. Die Commerzbank und die BayernLB, also zwei Banken mit Staatsbeteiligung, spielen bei dieser Pleite eine maßgebliche Rolle – ebenso wie bei der Zukunft der ebenfalls auf der Kippe stehenden Karstadt-Warenhäuser.

Da in jeder Insolvenz angeblich eine Chance liegt, waren das Management und die übrigen Mitarbeiter lange guten Mutes. Ihr größter Kraftakt bestand in den vergangenen Wochen darin, die Maschinerie wieder anzuwerfen. Denn nach dem Insolvenzantrag am 9. Juni stand fast alles still. Die Banken, die im normalen Geschäftsbetrieb den Geldfluss zwischen Kunden und dem Versender sichern, hatten wegen der Insolvenz ihren Dienst eingestellt. Quelles Kassen waren deshalb leer. Bestellungen blieben liegen, Rechnungen unbezahlt. Selbst die mit Quelle-Waren gefüllten Container im Hafen konnten nicht mehr ausgeladen werden. In den Druckereien stapelten sich gleichzeitig die halbfertigen Kataloge für das Herbstgeschäft.

"Das war der erste Schock", sagt Marc Sommer, der Chef von Primondo, unter dessen Dach der Versender Quelle agiert. Es dauerte einen ganzen Monat, bis die Banken ihre Arbeit fortsetzten und die Finanzierung wieder lief.

Die Banken warteten auf Investoren – und die Investoren auf die Banken

Der Grund für den zähen Prozess: "Alle Verträge mussten neu ausgehandelt werden", sagt Robert K. Gogarten, Vorstandsvorsitzender der Valovis Bank, die das Factoring für Quelle betreibt. Dieses Verfahren bedeutet, dass die Bank dem Versandhaus dessen Forderungen an die Kunden abkauft und damit das Risiko übernimmt, dass die Käufer auf Raten, verspätet oder womöglich gar nicht zahlen. Dafür kassiert Valovis eine Provision. Quelle bekommt im Gegenzug sein Geld sofort und bleibt damit flüssig. Das Risiko federt Valovis wiederum mit der Hilfe von anderen Banken ab. In diesem Fall sind das die Commerzbank und die BayernLB.

Die Zusage der drei Banken gilt allerdings nur bis zum Ende des Jahres. Danach, so Gogarten, hätte Valovis weitergemacht, allerdings nur dann, wenn konkrete Investoren ein schlüssiges Konzept vorgelegt hätten. "Beides aber haben wir bis heute nicht gesehen", sagt der Bankenchef.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bestätigte zu Beginn der Woche, dass "die Verkaufsanstrengungen für Quelle erfolglos waren". Ein wesentlicher Grund dafür: "Alle Bieter hatten ein großes Interesse an einem gesicherten Factoring."