So viel Tragik kommt fast nur in Familiendramen kitschiger TV-Serien vor. Ausgerechnet am vergangenen Dienstag, ihrem Geburtstag, erfuhr Madeleine Schickedanz, dass das traditionsreiche Versandhaus Quelle endgültig schließen muss.

Madeleine Schickedanz ist die Quelle-Erbin und noch immer Großaktionärin des Mutterkonzerns Arcandor. Weil sie sich selbst nie für Bilanzen begeistern konnte, überließ sie das Geschäftliche stets ihren Ehemännern. Das erklärt, warum sie in ihrer Rolle als Aktionärin nie groß in Erscheinung trat.

Gegründet wurde Quelle von ihrem Vater, dem Fürther Kaufmann Gustav Schickedanz Als Beginn des Unternehmens gilt der 26. Oktober 1927. An diesem Tag wurde es ins Handelsregister am Amtsgericht Fürth eingetragen. Quelle wuchs rasant und erholte sich nach dem Zweiten Weltkrieg schnell. Nach dem Tod des Firmengründers führte dessen Witwe, Grete Schickedanz das Unternehmen weiter. Sie starb 1994. Fünf Jahre später fusionierte das Versandhaus Quelle mit denKarstadt-Warenhäusern zum KarstadtQuelle-Konzern, der später in Arcandor umbenannt wurde. Die Insolvenz der Muttergesellschaft traf Quelle mitten in einem tief greifenden Umbau, der schon in den vergangenen Jahren zu scharfen Einschnitten geführt hat. Zwar machte der Bayerische Ministerpräsident, Horst Seehofer , das Schicksal des Konzerns zur "Chefsache". Geholfen hat das allerdings nicht.

Kleinlaut ließ Seehofer jetzt von sich hören: "Wir müssen gemeinsam schauen, dass wir die Auswirkungen für die betroffenen Menschen so gering wie möglich halten." Damit meint er Politik, Insolvenzverwalter und Belegschaft. Letztere kann sich jetzt allerdings nur einen neuen Arbeitsplatz suchen.