Gern gibt sich der Mensch den Superlativen hin, und er hat eine recht fidele Art, sie auszudrücken. So ist es mit dem Gebrauch des Wortes "übel" nicht gerade zum Besten bestellt. Seine Verballhornung "übelst" fungiert allerorten als Verstärker im Schaltkreis der Empfindungen. "Der Dieter ist mir übelst sympathisch." Obwohl man dem Dieter nun wirklich nichts Übles nachsagen kann, so wittert man doch das Gegenteil. "Die Bärbel ist übelst gut drauf" wirkt gerade so, als sollte man sich der Bärbel besser nicht nähern, weil sich ihre ausufernde Heiterkeit bereits mit Wahnsinn paart. Wer sich nun übelst anstrengt, um Bärbels Wesen zu ergründen, wird trotzdem übel scheitern; genauso wie einer, der sich in eine Sache übelst reinhängt, meistens darin umkommt. Wenn hingegen die Clara und der Bodo schon übelst lange zusammen sind, lässt sich die Nähe von übelst zum Ursprungswort zu allem Übel vielleicht noch erahnen.

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