Die Königinnen sind wieder in den Palast von Ludzidzini heimgekehrt, und sie haben viele schöne Dinge mitgebracht: Seidenkleider und Parfums, Designerschuhe und Diademe. Niemand darf offen darüber reden, wenn der Harem von König Mswati III. zum Shoppen geht. Aber Swasiland, sein Reich, ist klein, und es spricht sich schnell herum, dass seine fünf Lieblingsfrauen – er hält sich insgesamt 13 – mit einer 40-köpfigen Entourage und einer Reisekasse von 4,5 Millionen Euro auf Einkaufstour in Frankreich, Italien, USA, Dubai und Taiwan waren.

Das Geld der britischen Steuerzahler wird für Tyrannen verschwendet
Lucky Lukhele, Swasiland Solidarity Network

Swasiland, die letzte absolutistische Monarchie in Afrika, ist ein armes und krankes Land. Zwei Drittel seiner 1,2 Millionen Einwohner müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. 26,1 Prozent der Erwachsenen haben sich mit Aids infiziert – das ist die höchste Ansteckungsrate der Welt. Die USA und die Europäische Union überweisen pro Jahr rund 300 Millionen Euro Entwicklungshilfe, den Löwenanteil der EU trägt Großbritannien. Mswati III. und sein Hofstaat erhalten aus dem Staatshaushalt eine üppige Apanage von 11 Millionen Euro per annum. Der Monarch lässt sich in einer Maybach-Karosse herumkutschieren, unlängst verstärkte er seinen Fuhrpark durch zwanzig gepanzerte Mercedes-Limousinen, Stückpreis 171.000 Euro. "Das Geld der britischen Steuerzahler wird für diesen Tyrannen verschwendet", schimpft Lucky Lukhele vom Swasiland Solidarity Network. Es gehört Mut zu solchen Aussagen – wer Seine Majestät kritisiert, landet im Gefängnis.

Swasiland ist kein Sonderfall in Afrika. Man hätte auch ein anderes Land auswählen können, um die Gier und Verschwendungssucht der Mächtigen zu illustrieren, Kamerun zum Beispiel. Als Staatschef Paul Biya mit dem Familienclan drei Wochen lang im französischen Seebad La Baule urlaubte, wurden in einem Fünfsternehotel 43 Suiten gebucht. Gesamtkosten: 800.000 Euro. Das kriminelle Regime in Simbabwe hat im Zuge einer "Landreform" 4000 weiße Farmer vertrieben und sich das fruchtbarste Agrarland angeeignet. Präsident Robert Mugabe besitzt unterdessen fünf Farmen, seine luxussüchtige Gattin Grace deren sechs. Die englische Zeitung Sunday Telegraph fand heraus, dass die Agrarbetriebe der First Lady bis vor Kurzem Milch an den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé lieferten – auch mit weltweit geächteten Diktaturen lassen sich einkömmliche Geschäfte machen.

In vielen afrikanischen Ländern plündern die herrschenden Eliten ihre Staaten wie weiland der Despot Mobutu sein privates Tropenreich namens Zaire. Sie genießen ein flamboyantes Leben, schleusen Milliarden in Steueroasen, besitzen Schlösser an der Loire, Reihenhäuser in London, Prachtvillen in Hongkong, Nummernkonten in der Schweiz. Die Kapitalflucht aus Afrika beträgt jährlich rund 30 Milliarden Euro. Das ist mehr als die gesamte Entwicklungshilfe, die auf den Kontinent fließt.

Die lehrreichste Anschauung liefert derzeit Angola. Das Land hat Öl, sehr viel Öl. Es ist zum größten Lieferanten Chinas aufgestiegen und schwimmt in Petrodollar, Milliarden versickern in dunklen Kanälen. Die korrupte Elite verhält sich wie James Dean im Hollywood-Klassiker Giganten. Devise: Was kostet die Welt? Wir können uns alles leisten! 2000 Dollar für eine Flasche Cognac? Ein Schnäppchen im Delikatessladen des Belas Shopping Centre in der Hauptstadt Luanda. Der iranische Kaviar geht weg wie hierzulande Salami. Natürlich fährt die Hautevolée im "Shark" zum Einkaufen – "Hai", so wurde der protzige Range Rover TDV8 Vogue getauft. Er kostet knapp 200.000 Dollar und ist das Statussymbol der Neureichen. "Ich kann gar nicht genug herkriegen", sagt der Autohändler Nuno Godingo. In den Straßen stauen sich die Luxusgefährte, die Immobilienpreise und Mieten sind explodiert; für ein geräumiges Büro muss man bis zu 100.000 Dollar pro Monat hinblättern. Luanda ist die teuerste Hauptstadt der Welt.

Zugleich schreit einen an jeder Kreuzung die Not an, zerlumpte Bettler, Mütter mit hungernden Kindern, Kriegsversehrte, Minenopfer aus dem Bürgerkrieg. Die Reichen und Mächtigen lassen sie wegjagen, wenn sie abends in einem der Edelrestaurants auf der Ilha, einer Landzuge vor Luanda, Hummer und Langusten speisen. Sie wollen das Elend nicht sehen, und es ist ihnen völlig egal, wie ihre Brüder und Schwestern leben, wie die Krankenhäuser ausgestattet sind oder die Schulen. Den eigenen Nachwuchs schicken sie auf Eliteanstalten in Portugal oder Amerika. Und wenn die Dame des Hauses eine Schönheitsoperation wünscht, wird sie in die Spezialklinik nach Kapstadt ausgeflogen, während die Leute daheim sich nicht einmal Medikamente gegen Malaria leisten können, und die Säuglinge an Infektionskrankheiten sterben.

Die politische Klasse hat das Wort Gerechtigkeit aus ihrem Vokabular gestrichen
Olatunji Dare, Publizist aus Lagos

Angola braucht keine Entwicklungshilfe, es verfügt längst über genügend eigene Finanzmittel, um die Armut zu bekämpfen. Doch die Regierung ist weder willens noch fähig, die Ölmilliarden zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen. Entwicklungsexperten sprechen vom "Fluch der Ressourcen", der vor allem rohstoffreiche Staaten wie Nigeria, Sudan, Niger, Guinea, Sambia oder Angola ereilt. "In diesen Ländern hat die politische Klasse das Wort Gerechtigkeit aus ihrem Vokabular gestrichen", sagt Olatunji Dare, ein Publizist aus Lagos, der vor dem Räuberregime unter Sani Abacha in die USA floh.