Es sind beeindruckende Zahlen. Die Kurve der Ost-Abiturienten zeigt nach unten, doch viele Hochschulen in den neuen Ländern melden steile Anstiege bei den Erstsemestern. Der Grund: Schulabgänger aus dem Westen, die bisher einen Bogen um den Osten gemacht haben, kommen in Scharen. An der Uni Leipzig und der Hochschule Neubrandenburg etwa hat sich ihr Anteil seit dem Vorjahr verdoppelt, in Halle stieg er um ein Drittel.

Die zuständigen Bildungspolitiker sind sich sicher: Geschafft hat das die Millionenkampagne "Studieren in Fernost", die seit dem Frühjahr kräftig die Werbetrommel für die Unis zwischen Elbe und Oder rührt. Eine Kampagne, die zuvor ausgerechnet von einigen Rektoren der beglückten Hochschulen als klamaukig und zu inhaltsleer kritisiert worden war. "Die Skeptiker sollten spätestens beim Blick auf ihre Einschreibezahlen einsehen, dass die Idee funktioniert", sagt Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz, sein Kollege Henry Tesch aus Mecklenburg-Vorpommern sekundiert: "Nur weil die Kampagne so klar auf junge Leute zugeschnitten ist, sind wir erstmals in den Westen durchgedrungen. Da ist nicht die akademische Schwere drin, die Uni-Werbung sonst häufig hat."

Konzipiert wurde "Studieren in Fernost" von der Agentur Scholz & Friends, ihre Protagonisten sind zwei fiktive Chinesen deren Reisen an Ost-Hochschulen in poppigen Filmchen dokumentiert und bereits 170.000-mal im Internet abgerufen worden sind. Die Kampagne ist angedockt an die Plattform SchülerVZ mit Millionen registrierten Schülern. Eine Suchmaschine schlägt passende Studienorte vor, Studenten beantworten Fragen zu ihren Hochschulen. Gerade die ehrenamtlichen "Campus-Spezialisten" haben es Olbertz angetan, zum Dank will er sie ins Ministerium einladen.