Am 19. Oktober 1959 lief in der Aachener Jockey-Tanz-Bar erstmals Tanzmusik von der Schallplatte. Das Disco-Zeitalter hatte begonnen. Dieser Tage feiern Klubs im ganzen Land das Jubiläum. Fragen dazu an den Münchner DJ Mirko Hecktor, 35, der das Buch Mjunik Disco herausbrachte.

DIE ZEIT: Wie feiern Sie fünfzig Jahre Disco?

"Kuhglocken sind auch gut", sagt der DJ Mirko Hecktor

Mirko Hecktor: Gar nicht. Die Geburtsstunde der Discobewegung schlug doch nicht in Aachen, sondern in New York und zwar 1969. Dort haben Homosexuelle einen Lebensraum gesucht und fanden ihn in einer Bar namens Stonewall Inn an der Christopher Street.

ZEIT: Bei uns trat aber 1959 der erste DJ an!

Hecktor: Ja, er hat eine Platte nach der nächsten aufgelegt und Hits gespielt, die alle Leute kannten. Später erst haben DJs Beat-Strukturen isoliert und neu zusammengestellt.

ZEIT: Was macht die Disco aus?

Hecktor: Der Tanz. Der Alkohol. Die Anmache. Das Anschauen von Körpern.

ZEIT: Welche Unterschiede gibt es zu früher?

Hecktor: Das Internet. Facebook vergessen wir auch beim Tanzen nicht. Wenn ich in einem Klub auflege, kommt es mir manchmal so vor, als wäre die Notwendigkeit, sich hier zu treffen, gar nicht mehr gegeben. Man kennt sich schon von Facebook. Die Angst vor der Annäherung ist gar nicht mehr da. Viele Leute sind schon miteinander vernetzt und haben gleich Gesprächsthemen, weil sie zum Beispiel die Hobbys des anderen kennen.

ZEIT: Ist München noch die Discohauptstadt?

Hecktor: Ja, hier entstand vor zehn Jahren die Mischung aus House, Elektro und Disco, die später durch Berlin berühmt geworden ist.