Meine Jungs haben sogar eine Tischtennisplatte mitgebracht. Jemand wie ich denkt, darauf wird dann Tischtennis gespielt. Wie soll ich das auch anders verstehen, wenn Paul ruft: "Hey, Schulz, lass uns ein paar Bälle schlagen?" Also feuert Schulz dem Ami ein paar flache Rückhände stark angeschnitten cross vor den Latz. Paul schüttelt den Kopf, legt seinen Schläger beiseite und erklärt mir die Regeln. Dies ist Beer Pong. In der Mitte jeder Spielfläche befindet sich eine Markierung. Darauf wird ein Becher Bier platziert. Ich soll nun versuchen, den Ball in Pauls Becher zu schlagen. Berührt mein Ball den Becher, muss Paul einen Schluck trinken, treffe ich hinein, muss er vollständig leeren. Und umgekehrt. Das Spiel lebt von langen, hohen, mit dem Schläger nur weich touchierten Bällen. Wer zu hart schlägt, muss selbst trinken. Mit sehr viel bösem Willen könnte man dies vermutlich als eine juvenile Form der Freizeitbeschäftigung abtun. Dabei ist Tischtennis ja – und damit auch Beer Pong – wie wenig andere Sportarten in der Lage, die Sinne zu schärfen. "So bleiben wir auf den Punkt bereit für den Wettbewerb", sagt Paul.

Artdirector Marc arrangiert das Fleisch auf einem Petersilienbett

Am Samstagnachmittag treffen die Familien ein. Die Kinder klettern bei Daddy auf den Schoß und bekommen Burger, alle Teams haben Fernseher aufgebaut, die Football-Collegemannschaften von Notre Dame und Washington spielen gegeneinander. Natürlich finde ich Football unendlich langweilig. Also versuchen sie mir die Regeln zu erklären, weil es nur Unwissenheit sein kann, die meine Begeisterung hemmt. Aber um mich diese Leute, das Licht des Mittleren Westens im frühen Herbst, das Fleisch – ich könnte nicht begeisterter sein.

Am Sonntagmorgen, dem letzten Tag des Barbecues, weckt mich früh ein Zugsignal. Die Luft ist eiskalt und klar, am Himmel sind die ersten Sonnenstrahlen zu sehen. Paul neben mir ist auch schon wach. "Mornin’, Schulz." Noch immer lärmt der Zug. "Hey, Schulz, wie wäre es, wenn wir unsere Decken und eine Handvoll Fleisch nehmen und rennen und auf diesen Zug springen und als Hobos nach Chicago fahren oder nach Santa Fe?" Erst müssen wir unseren Wettbewerbsbeitrag leisten. Das habe ich mir allerdings etwas verbissener vorgestellt. Zwar haben die Jungs die Wettbewerbsrinderbrüste am Abend in den Ofen geschoben. Aber jetzt fangen sie schon an, ihren Stand abzubauen.

Ich will nicht, dass es vorbeigeht. Darum nehme ich an diesem Morgen auch einen Schluck aus Billys Marmeladenglas. Das Gesöff dehnt die Zeit so schön. Jetzt, zum Finale, kommt noch einmal alles zusammen. Der Eifer, mit dem die Jungs die besten Stücke auswählen und die optimale Schnittrichtung diskutieren. Das Johlen, wenn die geschnittenen Scheiben auseinanderklappen, innen zart und saftig, außen dunkel und üppig. Die Sorgfalt, mit der unser Artdirector Marc, die Lesebrille ganz vor auf der Nase, Betten aus Petersilie in Styropor-Schachteln arrangiert. Die Präsentation ist einheitlich für alle Bewerber so festgelegt, um die Preisrichter nicht mit Beiwerk zu verwirren. Aber bestimmt macht es niemand so hübsch wie wir. Wir schauen Marc zu, Biere in der Hand, Fleischbrocken im Mund. "Hey, Schulz, hast du schon mal so was Schönes gesehen?" Nein, Sir, habe ich nicht.