Neulich, im Zwielicht einer Großstadtbar, hatten sich zwei gerade kennengelernt. Sie hatten sich ansehnlich amüsiert und grübelten, wie sich ein Wiedersehen in die Wege leiten ließe. Er ging das so an: "Darf ich dich adden?" Oh, zarte erste Bande, galanter Pakt! Arm und Geleit 2.0. Er wird sie und sie wird ihn hinzufügen (verdeutscht englisch: adden) zur Liste ihrer Freunde im Internet. Sie werden sich in der körperlosen Facebook-Welt eine Weile vorsichtig beäugen. Überhaupt ist mit der Debatte darüber, wer wen adden will oder eben nicht, vieles sagbar geworden. Es lässt sich in diesen Kategorien auch in der sogenannten realen Welt feinsinnig tratschen, über die subtilen Distinktionsgewinne im Portfolio der eigenen sozialen Umwelt. Es soll aber auch Menschen geben, die auf der Flucht vor den Horden leichtfertig geaddeter Bekanntschaften ihren Facebook-Account – also ihre soziale Existenz! – löschten.

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