Die erste Reaktion ist Empörung, die zweite ist Resignation. Die Empörung gilt einer politischen Weltelite und insbesondere ihrer Führungsmacht, den USA, die dabei ist, das Menschheitsproblem Nummer eins auf unbestimmte Zeit zu vertagen.

Kopenhagen, Dezember 2009. Seit zwei Jahren bereitet die internationale Gemeinschaft die eine, große, alles entscheidende Weltklimakonferenz vor. Seit zwei Jahren dringt ein Alarmruf nach dem anderen aus der Gemeinde der Klimaforscher. Die globale Fieberkurve steigt schneller, und die Erde reagiert empfindlicher, als der Weltklimarat noch vor zwei Jahren meinte. Schon gibt es Experten, die glauben, dass die Folgen sich nicht mehr beherrschen ließen. Und nun, endlich, sollte aus Wissenschaft Politik werden. Endlich sollte die Staatengemeinschaft den zähen und unzureichenden Kyoto-Prozess durch einen wirklich wirksamen Klimaschutzvertrag ersetzen. Wer spart wie viel CO₂ ein, wer zahlt dafür wie viel an wen? All das sollte endlich eindeutig geregelt werden.

Sollte. Es werde wohl keinen Vertrag geben, lässt UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wissen. Aber "wir werden unser Bestes geben", um wenigstens die Umrisse einer solchen Übereinkunft zu erarbeiten.

Wer ist schuld? Zuallererst die USA. Amerika ist der größte Verschmutzer unter den Industrieländern, der größte Bremser in Sachen Klimaschutz und gleichzeitig der Leithammel, auf den alle anderen warten. Doch trotz Obama wird Amerika in Kopenhagen voraussichtlich nichts zu bieten haben. Zu groß ist der Widerstand im amerikanischen Kongress und bei den Lobbygruppen. Die Amerikaner kommen mit vagen Selbstverpflichtungen nach Kopenhagen.

Wer das begriffen hat, den packt die Verzweiflung. "Wie können Sie von uns verlangen, dass wir Vereinbarungen zustimmen, die unsere sichere Vernichtung bedeuten?", rief auf der jüngsten UN-Generalversammlung Marcus Stephen, Regierungschef des Inselstaates Nauru, der seinen Untergang ziemlich genau absehen kann. Es geht in Kopenhagen ja nicht nur um die Verminderung von Emissionen, um CO₂-Zertifikate und andere Errungenschaften der Klimadiplomatie. Es geht um die Frage, ob es ein kollektives Subjekt namens Menschheit gibt, das imstande ist, auf eine kollektive Bedrohung zu reagieren.

Noch weiß niemand, ob es überhaupt möglich ist, fast sieben Milliarden Individuen in ein globales Bündnis der Selbstbeschränkung einzubinden. Klimapolitik ist ein globales Experiment, ein historischer Pakt: Wir im industrialisierten Norden ersetzen unsere Kohlekraftwerke durch Sonnenkollektoren und unsere Benzinautos durch Ökomobile, wenn ihr im Süden Industrialisierung von vornherein grün anlegt und selbst eure Ärmsten noch zum Energiesparen anhaltet. Ein solches Abkommen mit entsprechenden Sanktionsmöglichkeiten ist ohne Vorbild. Aber es ist unumgänglich, damit die Welt die rote Linie der Klimaforscher nicht überschreitet: Maximal zwei Grad darf die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter betragen, um die Folgen des Klimawandels gerade noch bewältigen zu können.

Und ein wirksamer Klimavertrag zwischen Staaten ist ja nur ein Etappenziel. Erst wenn die Staaten ihre Bürger und ihre Unternehmen für den Klimaschutz gewinnen, gibt es Hoffnung, den Ausstoß von Treibhausgasen massiv zu reduzieren.