Das liebreizende Städtchen Ebreichsdorf südlich von Wien ist mit einer Pioniertat in puncto Bürgernähe in die Annalen eingegangen. Weil der Hauptplatz ein neues, schmuckes Aussehen erhalten soll, wurden die Bewohner aufgefordert, zuvor ihre Meinung zu den Plänen zu äußern. Einige Ebreichsdorfer rückten aber nicht gleich klipp und klar mit ihren Antworten heraus. Also nahm ihnen ein Stadtrat die mühevolle Entscheidung ab und füllte kurz entschlossen rund 100 Fragebögen selbst aus. Eine zukunftsweisende Aktion: Ein Volksvertreter, der seine Berufsbezeichnung ernst und daher wörtlich nimmt, vertritt eben das Volk in jeder erdenklichen Situation. Wenn Politiker künftig die Stimmzettel selbst, das heißt nach objektiven Kriterien ausfüllen, erleichtern sie den Menschen gewaltig die Mühen der Demokratie. Sensiblen Wählerinnen und Wählern bleibt der Canossagang in die enge und stickige Wahlzelle erspart, und jeder Urnengang gewinnt zweifelsfrei an Professionalität. Denn wer sollte sich in der Politik besser auskennen als die Politiker, nach denen sie benannt ist? Die Wahlberechtigten mögen sich ehrlich um Einsicht in die komplexe Materie bemühen. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei ihnen letztlich um Laien handelt. Ein weiterer positiver Effekt soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Politiker, die ihre karge Freizeit opfern, staatsbürgerliche Pflichten freiwillig übernehmen und selbst Tausende Stimmzettel ausfüllen, schaffen ein für alle Mal das Problem der sinkenden Wahlbeteiligung aus der Welt.