Es kommt ja vor, dass Hersteller ihre Autos nach Kerlen benennen, die der griechischen Mythologie zufolge erst Papis Auto klauen, davonrasen, in ihrem Übereifer die Kontrolle über das Gefährt verlieren und die Kiste in den Fluss bugsieren. So geschehen im Fall des Phaeton (VW), Sohn des nach dem Unfall nunmehr sohnlosen Helios.

Und jetzt also Yeti. Was haben sich die Tschechen von Škoda wohl dabei gedacht, diesen Wagen nach einem tollpatschigen, unförmigen und scheuen Monster zu benennen, von dem wir nicht viel mehr wissen, als dass Reinhold Messner behauptet, ihm begegnet zu sein? Angeblich messen seine Füße bis zu einem halben Meter, ja und er soll drei Meter hoch sein und mehrere Hundert Kilo wiegen. Und aus dieser Mär basteln wir jetzt ein Auto?

Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich mag den Wagen. Ich habe den ersten SUV von Škoda mit dem 140-PS-Turbodieselmotor sogar mit viel Freude getestet. Die Formen des Yeti sind ausgewogen rundlich, und der Kühler hat ein freundliches Gesicht, was so gar nicht zu den grimmigen Darstellungen des Schneemenschen, den wir kennen, passen will.

Den Ausflug ins Gelände hab ich mir trotzdem gespart. Auch weil ich glaube, dass der Yeti nicht in erster Linie dafür vorgesehen ist. Wie so viele seiner Kollegen (man nehme den VW Tiguan) ist dieses Gefährt da, um sich wohl- und sicher zu fühlen, und das tue ich auch.

Erstens weil ich durch die erhöhte Sitzposition die große Übersicht genieße. Und zweitens wegen der ausziehbaren Armstütze. Da bin ich wie Homer Simpson (in einer legendären Episode treibt Homer seinen autobauenden Halbbruder in den Bankrott, weil er einen von ihm designten Neuwagen mit absurden Zusätzen überfrachtet: Dosenhalter, Heckflossen, Fußraumteppiche und Hupen, die La Cucaracha spielen), ich schätze so kleine Extras.

Außerdem hat der dicke Yeti einen ehrlichen Sound. In Zeiten, wo man das Gefühl nicht loswird, dass Autos sich nicht mehr nach solchen anhören, macht der Yeti keinen Hehl daraus, ein Diesel zu sein. Der Yeti ist jedenfalls keine Mogelpackung, und falls ich tatsächlich mal dem Reinhold begegnen sollte, werde ich ihm diesen Witz erzählen: Treffen sich zwei Yetis. Sagt der eine: "Du, ich habe gestern den Reinhold Messner gesehen!" Antwortet der andere: "Was, den gibt’s wirklich?"

Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Turbodieselmotor
Leistung: 103 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
CO2-Emission: 157 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6 Liter
Basispreis: 27.570 Euro

Andreas Wellnitz ist  Mitarbeiter im Zeitmagzin