DIE ZEIT: Die Autoindustrie steckt weltweit in der Krise, und die Folgen des Klimawandels bedrohen ihre Existenz. Wie können die Konzerne diese Herausforderungen bewältigen?

Daniel T. Jones: Keiner kennt bislang den richtigen Weg, aber die Branche hat endlich den Ernst des Problems begriffen. Toyota etwa untersucht und entwickelt schon seit den neunziger Jahren fünf alternative Arten des Antriebs, weil auch der größte Autohersteller der Welt nicht weiß, welche Option sich am Ende in welcher Reihenfolge durchsetzt. Die Branche wird es insgesamt schaffen. Aber sicher nicht jeder Hersteller.

ZEIT: Wer bleibt auf der Strecke?

Jones: Ich frage mich zum Beispiel, ob es Chrysler mit Fiat schaffen kann.

ZEIT: Am stärksten von der Krise ist neben Chrysler der US-Konzern General Motors betroffen. Dessen Konzept, mit großen Autos viel Geld zu verdienen, ist von gestern.

Jones: Die Benzinsteuern in den USA waren einfach zu niedrig, sodass die Konsumenten gerne zu großen Autos gegriffen haben. Mit kleinen Autos haben die US-Hersteller nie Geld verdient und auch wenig Geld in ihre Entwicklung gesteckt. Das müssen sie jetzt ändern, um zu überleben.

ZEIT: General Motors hat die Pleite hinter sich. Viele Investitionsmittel sind nicht da.

Jones: GM steckt in einem tiefen Loch, hat riesige Probleme. Das Geld für kleinere Autos hat man bisher vor allem in Opel gesteckt. Wenn GM die Technologie nicht selbst entwickeln kann, muss es diese zukaufen. Fragt sich nur, woher sie das Geld nehmen wollen.

ZEIT: Stehen Japaner und Deutsche besser da?

Jones: Die Japaner investieren zwar sehr viel in Technologie. Aber ökonomisch läuft es derzeit nicht so gut, weil ihre Hauptmärkte Japan und die USA daniederliegen. Dennoch haben sie genügend Substanz, um die nächsten zwei, drei Jahre durchzustehen. Beim Volkswagen-Konzern sieht es dagegen besser aus, weil der in China stark ist und es auch in Europa nicht so schlecht läuft.

ZEIT: General Motors will jetzt Geld von den europäischen Regierungen. Würden Sie Kanzlerin Merkel oder Premierminister Brown raten, Milliarden für die Rettung von Opel und seiner Schwestermarke Vauxhall zu garantieren?

Jones: Das hängt davon ab, ob die Regierungen einen Jobabbau in den Opel- und Vauxhall-Werken akzeptieren. Um in Europa zu überleben und Opel zu behalten, muss GM seine Kapazitäten kräftig verringern. Doch die Amerikaner werden wie andere Konzerne auch das nehmen, was sie von den Regierungen kriegen können. Allerdings wird ihnen Frau Merkel einen frostigen Empfang bieten. GM hat sie mit seinem überraschenden Schwenk öffentlich gedemütigt.

ZEIT: Wäre die Lösung mit Magna und den Russen besser gewesen?

Jones: Die russische Strategie war nie sehr vertrauenswürdig. Sie war zwar großartig für die Bundestagswahlen. Aber es war keine gute Idee, Opel in seiner jetzigen Größe bewahren zu wollen. Diesem Traum dürfen die Politiker und die starken deutschen Gewerkschaften nicht länger nachhängen. Mercedes, Ford oder Volkswagen muss das doch richtig ärgern. Und wenn die deutsche Regierung will, dass deutsche Autobauer mehr in Russland machen, könnte sie mit dem Geld doch gleich VW unterstützen.

ZEIT: Was also bleibt Frau Merkel?

Jones: Sie muss ein europäisches Paket schnüren, das einen vernünftigen Abbau der Kapazitäten bei Opel zulässt. Der darf aber nicht zu brutal sein.