Chimären sind meist bedauernswerte Kreaturen, schwer zu erschaffen, oft hässlich und nicht lange lebensfähig. Im Saarland hat die frisch regierende Jamaika-Koalition gerade die fünfjährige Primarschule geboren – eine schulpolitische Chimäre. Denn die Verlängerung der Grundschule um ein Jahr ist eigentlich niemandes Wunschkind. Die Grünen wollten Gemeinschaftsschulen, CDU und FDP alles beim Alten lassen. Darum einigte man sich – streng nach Wählerstimmenproporz – auf das Mischwesen "Traditionelle Grundschule mit Gesamtschulschwänzchen".

Im Prinzip ist eine spätere Aufteilung der Schüler nach Leistung nicht schlecht, die meisten Länder der Welt machen damit gute Erfahrungen. Insbesondere schwache Schüler profitieren vom längeren Lernen in einer Klasse, während die Starken darunter nicht leiden. Doch wenn man die Schulzeit schon verlängert, müssten es mindestens zwei weitere Jahre sein – wie in Hamburg geplant.

Nur zwölf zusätzliche gemeinsame Monate bewirken pädagogisch wenig. Sie werden die notorische Bildungsungleichheit nicht abfedern helfen, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum erwartbaren Erfolg.

Denn auch eine kleine Reform verursacht große Aufregung in Lehrerkollegien. Auf Jahre hinaus werden saarländische Schulen damit belastet sein, Pädagogen zu versetzen, Curricula umzuschreiben, Schulgebäude umzubauen. Die enormen Kräfte und Finanzmittel, die das bindet, sollte man lieber in die Verbesserung des Unterrichts investieren. Dann haben alle etwas davon, nicht nur die auf einen Koalitionsfrieden bedachten Politiker.