"Conto-Buch für Ali Baba" steht auf dem Deckel der braun marmorierten Kladde mit dem schwarzen Leinenrücken, die das Auktionshaus Ketterer am 16. November in seiner Hamburger Filiale anbietet. 500 Euro sollen die 64 gebundenen Blätter kosten, versteigert auf der Auktion "Wertvolle Bücher" – obwohl das abgestoßene Notizbuch mit seinen krakeligen Einträgen auf den ersten Blick ganz und gar nicht danach aussieht.

Zunächst von November 1903 bis Mai 1905 dokumentierte der Maler Max Slevogt auf den linierten Blättern mit den rot abgeteilten Kontenspalten akribisch seine Haushaltsführung, notierte Ausgaben für Reisen, Kleidung, Lebenshaltung. Im Verlag Bruno Cassirer war der Band Ali Baba und die vierzig Räuber mit seinen Bildern erschienen, Slevogts erster Illustrationsauftrag. Seine Kladde diente ihm offenbar dazu, die dafür erfolgten Verkäufe und Honorarzahlungen nachzuvollziehen; einmal auch für die Bleistiftskizze eines Kinderporträts.

Schon bald nutzte Slevogt das braune Büchlein aber auch, um verkaufte, verliehene, verschickte und zurückerhaltene Werke nicht aus dem Gedächtnis zu verlieren. Er notierte seine Bildersendungen zu Ausstellungen in Berlin, Leipzig und Rostock, Verkäufe an private Sammler, Einlieferungen zu Auktionen. Das Haushaltsbuch wurde zu einem kleinen systematischen Werkverzeichnis. Slevogt war damals neben Max Liebermann und Lovis Corinth bereits einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Impressionisten. Ihren Einfluss und ihre Emanzipation von den großen französischen Vorbildern wird vom 22. November an eine große Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld untersuchen.

Für die Kunstgeschichte und ihre jüngste Disziplin, die Provenienz- und Rezeptionsforschung, ist ein solches Selbstzeugnis, wie es nun angeboten wird, so selten wie wertvoll. Auch wenn die Auswertung nicht unbedingt ein Vergnügen sein dürfte – Slevogts Handschrift ist kaum zu entziffern –, sollte sich eine öffentliche Institution für die Haushaltskladde engagieren.

Zwei Jahre vor seinem Tod scheint Slevogt sein "Conto-Buch für Ali Baba" wieder aus dem Regal genommen zu haben, um es weiterzuführen. Noch am 17. Mai 1932 notiert Slevogt seine Forderung, alle im Rahmen der von ihm mitgegründeten Gesellschaft für graphische Versuche SPOG entstandenen Arbeiten zurückzuerhalten. Vier Monate später starb er in Neukastel in der Pfalz.