Ach, das gute alte Sams! Rothaarig, schweinsnasig und vorlaut, natürlich respektlos, wortklauberisch, schnell mit einem Reim zur Stelle und lustiges Chaos stiftend, wo immer es auftaucht: Beim Lesen des sechsten Sams-Bandes ist es gleich so, als schlüpfe man in einen gemütlichen, vorgewärmten Hausschuh. Da sind sie alle wieder: Der liebenswerte, aber noch immer ziemlich schüchterne Papa Taschenbier, Sohn Martin und seine Freunde, ja sogar der seltsame Herr Mon und der strenge Chef Herr Oberstein tauchen am Rande auf. Erleichtert sehen wir, dass wenigstens die Sams-Welt noch in Ordnung ist. Ist sie das?

Nun ja – das Sams hat keine blauen Wunschpunkte mehr, die hatte seinerzeit der fiese Lehrer Daume weggewünscht. Es ist außerdem recht groß geworden, und auch seine Nase ist kaum noch rüsselig; klar, dass sich das Übersams und die Versammlung von Mitsamsen fragen, ob das Sams durch seine Jahre bei den Taschenbiers nicht derweil viel zu menschlich geworden sei, "nicht mehr samsig genug" also. Doch bevor das Übersams endgültig urteilen kann, hat sich der Angeklagte in seinem "dehnbaren, abwaschbaren, wunderbaren" Taucheranzug schon freiwillig aus dem Staub gemacht, zurück zu Martin Taschenbier: "›Das ist mir ganz lieb, denn ihr habt einen Hieb!‹ Damit streckte es den versammelten Samsen die Zunge heraus, drehte sich um, reckte ihnen den Hintern entgegen und pupste."

Spätestens hier, noch auf den ersten Buchseiten, werden die Kinder vor Lachen laut herausplatzen und sich wieder einmal so viel Mut wünschen wie das selbstbewusste Sams. Sein Erfinder, Paul Maar, hat einmal gesagt: "Es darf so sein, wie die Kinder selbst gerne wären." Und sicherlich liegt ebenda das samsige Erfolgsgeheimnis, heute wie vor 36 Jahren.

Damals, 1973, erschien der erste Band Eine Woche voller Samstage und brachte mit dem kleinen, dicken, blau gepunkteten Frechdachs einen der ganz großen Stars der Kinderliteratur in die Welt: Längst steht das Sams in einer bunten Reihe mit Pippi Langstrumpf, Jim Knopf und der Tigerente. Umso bemerkenswerter, dass Paul Maar mit seinem zauberhaften Erfolgswesen so sorgsam umgegangen ist. Auf keinen Fall wolle er es auf jeder Socke und jedem Joghurtbecher sehen, hat er oft gesagt und diese Zurückhaltung trotz zweier Verfilmungen und eines Sams-Computerspiels durchgehalten.

Nicht gehalten hat er sich dagegen an seine Andeutungen, keine weitere Fortsetzung mehr schreiben zu wollen – gut so. Auch dieser sechste Band wird zuverlässig Kinder zum Lachen und Erwachsene zum glücklichen Schmunzeln bringen, zumal dem Autor mit dem bösen Onkel Alwin so ein schönes, klares Feindbild gelungen ist. Dichten jedenfalls kann das Sams in kniffligen Lebenslagen wie kein zweites: "So über ich auch lege, ich bringe nichts zuwege!"

Sollte also wunderbarerweise das Wünschen auch mal ohne Wunschpunkte funktionieren, dann wünsche ich – Achtung, jetzt bloß haarscharf formulieren, sonst geht das daneben! – also: Ich wünsche, dass es immer noch wieder ein neues Buch vom Sams geben wird, solange Paul Maar noch samsig genug ist.