Die Frage: Paul ist ein charmanter und energischer Mann. Er scheint es aber in keiner festen Beziehung auszuhalten und plagt seine Geschwister und Freunde immer wieder mit Liebesgeschichten, die alle ähnlich ausgehen: Jetzt habe er die Frau fürs Leben gefunden, die ganz anders und natürlich viel besser sei als ihre Vorgängerin. Wenn er endlich von seiner Ex geschieden sei, werde sogleich geheiratet. Tatsächlich gibt Paul viel Geld aus, um die Scheidung zu beschleunigen und das neue Glück zu festigen, das sich aber leider – je fester es geknüpft wird – umso weniger bewährt.

Nach seiner dritten Scheidung schockiert Paul die ihm nahestehenden Menschen mit dem Bekenntnis zum Einsiedlerleben, das er von nun an zu führen gedenke. "Ich danke Gott für jeden Tag, an dem ich mich nicht verliebe." Ist ihm noch zu helfen?

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Paul hilft sich gerade selbst. Verliebte fühlen sich durch die Existenz des anderen bestärkt, in ihrem Selbstgefühl gehoben. Und plötzlich ist es vorbei. Es ist wie in dem Märchen von Aladins Lampe. Jemand raubt den Zauber, ohnmächtig erleben die Helden ihr Versagen. Da fällt einem Freuds Wort vom Prothesengott ein: Der Mensch rüstet sich mit Werkzeugen aus, die seine Macht steigern, ihn aber – sobald sie versagen – die eigene Ohnmacht doppelt fühlen lassen.

Paul verliebt sich in Fantasiegestalten, die sein Selbstgefühl zum Höhenflug steigern, kann aber mit realen Frauen wenig anfangen. Daher ist seine Resignation positiv: So wie bisher sollte er sich nicht verlieben. Den Weg in eine alltagstaugliche Beziehung, die weiche Landung nach dem Höhenflug, muss er noch finden.