Während beim Versandhaus Quelle der endgültige Schlussverkauf läuft, können die meisten der fast 27.000 Beschäftigten bei Karstadt darauf hoffen, ihre Arbeitsplätze zu behalten. Sie haben sich dazu bereit erklärt, in den nächsten drei Jahren auf 150 Millionen Euro zu verzichten. Zwar bleibt das Grundgehalt unangetastet, doch Weihnachts- und Urlaubsgeld werden drastisch gekürzt.

Damit hätten die Beschäftigten ihre Schmerzgrenze erreicht, sagt Margret Mönig-Raane, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di. Die Mitarbeiter sind sozusagen in Vorleistung gegangen. Welchen Beitrag andere Beteiligte zur Sanierung des Warenhauskonzerns leisten wollen, stand am vergangenen Dienstag noch nicht fest.

Mönig-Raane erwartet jetzt, dass auch die Besitzer der Immobilien entsprechende Zusagen machen. Schließlich sind es vor allem die stattlichen Mietzahlungen, welche Karstadt nach wie vor belasten. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte dazu, dass alle Beteiligten ihre Bereitschaft zu Zugeständnissen schon bekundet hätten, ohne sich allerdings auf entsprechende Verträge einzulassen.

Die Erwartungen richten sich zum einen an die Oppenheim-Esch-Holding. Deren Fonds besitzen jedoch nur fünf der Karstadt-Immobilien. Über einen weitaus größeren Teil verfügt ein Konsortium rund um die US-Investmentbank Goldman Sachs. Chef der deutschen Niederlassung ist Alexander Dibelius, von dessen Entgegenkommen es nun also maßgeblich abhängt, wie viele Karstadt-Häuser am Ende geschlossen werden. Bislang sind es nur sechs, elf weitere stehen auf der Kippe. Am vergangenen Dienstag wollten sich die beiden Vermieter nicht dazu äußern, ob sie Mietreduzierungen vereinbaren werden. "Es laufen Gespräche", hieß es unisono.

Gleichzeitig geht der Ausverkauf beim Schwesterunternehmen Quelle weiter. Sobald die Lager leer sind, wird der Versandhändler endgültig schließen – und damit sein Name in Deutschland wohl verschwinden. Den nämlich hat Erzrivale Otto erworben. Kaum vorstellbar, dass er ihn hierzulande weiter nutzen wird. Stattdessen betreibt Otto künftig das größte Auslandsgeschäft von Quelle in Russland. Am zweitgrößten in Österreich bestand indes kein Interesse. Abgenabelt von der Mutter, kämpft die Tochter im Nachbarland nun ums Überleben.

Die Marke Privileg schien dem Hamburger Versandhaus wiederum so wichtig, dass es sich auch diesen Namen sicherte. Das Logo klebt auf all den vielen Elektrogeräten, die Quelle als Eigenprodukte in den vergangenen Jahrzehnten verkauft hat. Mit seinen Waschmaschinen, Wäschetrocknern oder Kühlschränken stieg das Versandhaus zu den Marktführern auf.

Für die Kunden hat die Quelle-Pleite nun drastische Folgen. Die Garantie auf schadhafte Produkte erlischt. Und das bedeutet: Die Käufer der Privileg-Geräte müssen notwendige Reparaturen auch innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist von zwei Jahren selbst bezahlen. Was Otto mit der Marke vorhat, steht derzeit noch nicht fest. Klar ist nur: In die Gewährleistungspflicht muss und will der Konzern nach Aussagen eines Sprechers auf keinen Fall eintreten.

Ein schwacher Trost für die Kunden: Der Reparatur-Betrieb von Quelle namens Profectis erledigt auch Aufträge für andere Unternehmen und hat gute Chancen, einen Investor zu finden. Außerdem bietet er eine Versicherung an, die – gegen Zahlung einer Prämie – vor möglichen Reparaturkosten schützt.