Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will künftig konsequenter gegen hohe Managergehälter vorgehen. In einer Art Leitfaden rät die Gewerkschaft ihren etwa 6000 Vertretern in deutschen Aufsichtsräten, keinen Erhöhungen von Vorstandsbezügen mehr zuzustimmen, die sich bereits im Millionenbereich bewegten. Es müsse in solchen Fällen vielmehr darum gehen, "die überhöhten Vergütungen auf ein deutlich niedrigeres Niveau zu begrenzen".

Namentlich genannt werden in den von ver.di Mitte dieser Woche veröffentlichten Unterlagen die Deutsche Telekom, Lufthansa und BASF, wo sich die Vorstandsbezüge "vom Unternehmenserfolg abgekoppelt" hätten. Außerdem werden die Deutsche Post, die Postbank, E.on und Metro als Beispiele für Konzerne mit "überhöhten" Vorstandsgehältern aufgelistet.

Die vom Gewerkschaftsvorstand beschlossenen Handlungsempfehlungen knüpfen an das "Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung" an, das seit August dieses Jahres in Kraft ist. Es sieht unter anderem vor, dass künftig der gesamte Aufsichtsrat über die Topgehälter entscheidet und nicht, wie bisher üblich, nur ein kleiner Ausschuss des Kontrollgremiums. Außerdem müssen erfolgsabhängige Vergütungsbestandteile stärker als bisher auf die langfristige Unternehmensentwicklung bezogen sein.

Ver.di will seinen Einfluss nicht nur nutzen, um die Vorstandsvergütungen wieder enger an die Einkommen normaler Beschäftigter heranzurücken. Daneben sollen auch neue Erfolgsmaßstäbe eingeführt werden. Bisher richten sich variable Gehaltskomponenten in aller Regel nur nach Unternehmenskennzahlen wie dem operativen Gewinn oder der Entwicklung des Aktienkurses. Nach den Vorstellungen der Gewerkschafter würden künftig außerdem "soziale" Kriterien über das Gehalt der Chefs bestimmen.

Als Beispiele nennt ver.di die Sicherung von Standorten, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Solche sozialen Parameter sollten "mindestens 20 bis 25 Prozent der gesamten Vergütung" ausmachen, ihr Anteil müsse "deutlich spürbar" sein, heißt es in dem Leitfaden für die ver.di-Aufsichtsräte. Variable Vergütungssysteme, die ausschließlich auf wirtschaftliche Kennzahlen abstellten, seien "nicht mehr zu rechtfertigen". rud