Der mausgraue Verschlag an der Talstation der Pitz-Panoramabahn wirkt unspektakulär. Doch die Bude birgt allerfeinste Kunstschneetechnik: Einen IDE All Weather Snowmaker. Die Maschine soll das Tiroler Skigebiet vor dem Wankelmut des Winters bewahren. "Eine Weltneuheit", schwärmt Willi Krüger, Prokurist der Pitztaler Gletscherbahn und freut sich, knapp vorn zu liegen beim Wettstreit der Skigebiete. Die Kunstschneespezialisten im Schweizer Wintersportort Zermatt nahmen eine baugleiche Anlage ein paar Wochen später in Betrieb.

Um der Erderwärmung zu trotzen, greifen Bergbahnunternehmen und Liftbetreiber zu immer ausgefeilteren Mitteln. Im Ruhpoldinger Biathlon-Zentrum legen Schneespezialisten jedes Frühjahr einen Vorrat an Kunstschnee an, der unter einer schützenden weißen Plane den Sommer überdauern soll. In Oberhof im Thüringer Wald hat man eine ganze Langlaufloipe in einen riesigen Kühlschrank gesteckt. Und auf der Zugspitze werden jedes Frühjahr die kläglichen Reste des Schneeferners mit Matten und Planen abgedeckt – ein Versuch, für den Skibetrieb neuralgische Stellen auf Deutschlands einzigem Gletscher vor dem Schmelzen zu bewahren.

Die von PR-Rummel begleitete Inbetriebnahme des Pitztaler Snowmakers aber ist der vorläufige Höhepunkt beim Kampf um das schwindende Weiß. Das Aggregat kann unabhängig von Außentemperatur, Wind und Luftfeuchtigkeit 950 Kubikmeter Schnee pro Tag liefern. Das ist so viel, wie sechs bis sieben Schneekanonen im 24-stündigen Dauerbetrieb herstellen. 1,5 Millionen Euro kostet die überdimensionierte Eismaschine. Sie soll dafür sorgen, dass vor allem die Skiprofis zum Saisonstart im September eine optimale Slalom-Trainingsstrecke erhalten.

Zum Einsatz kommt die von dem israelischen Unternehmen IDE technologies konstruierte Schneefabrik im Herbst und im späten Frühling, wenn es selbst in hochalpinen Lagen oft zu warm für Schneekanonen ist. Die Firma verdient ihr Geld eigentlich mit Meerwasserentsalzungsanlagen und Kühlsystemen für Gold- und Diamantenminen. Mit Schneemaschinen, die auf der gleichen Technik basieren, will sich der Konzern ein neues Geschäftsfeld erschließen.

Dass man sich in Pitztal und anderswo an solche Investitionen wagt, ist auch eine Folge der missglückten Saison 2006. Damals mussten die Skigebiete besonders lange auf den ersten Schnee warten. Der Winter 2006/07 war der wärmste seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen – ein Menetekel für die Tourismusindustrie. "Drei solcher Winter hintereinander, und wir sind pleite", klagten die Liftbetreiber. Weil solche Winter wegen der Klimaerwärmung bald der Normalfall sein könnten, hat die Branche reagiert. "Mittlerweile werden in unseren Skigebieten fast alle Pisten künstlich beschneit", sagt Peter Haslacher, Naturschutzreferent des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV). In Bayern sieht es nicht anders aus. Unter dem Druck der Touristiker hat das Umweltministerium in den vergangenen Jahren die Auflagen für den Einsatz von Schneekanonen gelockert.

Umweltschützer kritisieren, dass die Beschneiung in die empfindliche alpine Natur eingreife. Zwar komme der Snowmaker, wie der Pitztaler Willi Krüger versichert, ohne chemische Zusätze aus. Die Einwände der Umweltschützer aber sind grundsätzlicher: Schneemaschinen verbrauchen viel Energie, was seinerseits die Erderwärmung anheizt. Gravierender noch ist der enorme Wasserbedarf. Allein für den Pitztaler Snowmaker wurden zwei Speicherseen mit 13.000 und 33.000 Kubikmeter Fassungsvermögen angelegt. Sie werden mit dem Schmelzwasser des Gletschers gefüllt. Gängige Praxis ist es auch, das Wasser aus kleinen Gebirgsbächen und -flüssen zu gewinnen. Die Snowfarmer in Ruhpolding etwa zapfen das Flüsschen Traun an, das in einem Naturschutzgebiet liegt.

Den Erlanger Alpenforscher Werner Bätzing interessieren weniger die ökologischen als die ökonomischen Folgen des alpinen Rüstungswettlaufs. Der Wettbewerb der Skigebiete werde härter, auch wegen eines Überangebotes an Skipisten. "Und desto größer ist der Zwang, dauernd Neuheiten zu präsentieren", sagt Bätzing. Langfristig überleben könnten wohl nur große, kapitalstarke Bergbahnbetriebe. Kleine kommunale Unternehmen blieben auf der Strecke.

Um diesem Schicksal vielleicht doch noch zu entgehen, wird in Österreich vielerorts über eine Art kommunale Beschneiungssteuer diskutiert: Die Gemeinden wollen vom Tourismus abhängige Betriebe an den Kosten beteiligen, die mit dem Versprechen von Schneesicherheit einhergehen. 

ÖAV-Umweltfachmann Haslacher fürchtet, dass auf die Alpenbewohner mit weiter steigenden Temperaturen noch einiges mehr zukommt. Er sieht in den Skigebieten schon "Kühltürme", wie man sie von Kraftwerken kennt, in den Himmel wachsen. Christine Markgraf vom Bund Naturschutz (BN) in Bayern befürchtet, dass der eine oder andere Bürgermeister auf die Idee kommen könnte, Skipisten mit Kühlhallen zu überbauen. "Ich hoffe aber, dass das die Bevölkerung nicht mitmacht. Wenn die Landschaft weiter verschandelt wird, zerstört das die Grundlage für den Sommertourismus, der wichtiger wird."