Bei Damenschuhen wurde der Sohle bislang nie sehr viel Aufmerksamkeit zuteil. Es sei denn sie war rot, was sie als Werk des Designers Christian Louboutin auszeichnete. Überhaupt war die Beschaffenheit des Schuhs eher zweitrangig gegenüber seiner Aussage: Der hochhackige Schuh ist etwas, was seine Trägerin über die anderen erhebt, sie aber gelegentlich auch erniedrigt. Denn das Laufen damit ist ein Balanceakt, immer wieder bleibt man mit dem Absatz zwischen Pflastersteinen stecken.

Wenn Frauen mit ihren neuen Schuhen von Prada zutreten, geht es Fußbällen ans Leder

Außerdem sind sie oft so gebaut, als wollte die spanische Inquisition der Trägerin Geständnisse abringen. Mittlerweile jedoch tauchen immer öfter Schuhmodelle auf, die nicht nur ihrer Besitzerin Schmerz zufügen können, sondern auch allen, die sie damit tritt, da ihre Sohlen denen von Fußballsohlen ähneln. Prada fiel mit solch einem High Heel auf, die Dänin Camilla Skovgaard hat sogar einen entworfen, dessen Sohle brutal gezackt ist, als wäre er für Superwoman entworfen worden. Und Burberry hat einen Damenschuh im Programm, dessen Plateausohle grob gekerbt ist wie ein Wanderstiefel.

Die Schwierigkeit, mit solchen Schuhen zu laufen, ändert sich damit nicht – wohl aber die Botschaft. Der hochhackige Schuh ist in dieser Variante nicht mehr das Symbol von Zerbrechlichkeit, sondern wird selbst zum Zerbrecher. Ein bisschen erinnert es an den Slacker-Chic der neunziger Jahre, als Mädchen zu Blümchenkleidern und zerrissenen Strumpfhosen Dr.-Martens-Stiefel trugen, deren Sohlen so grob waren, dass man damit in Straßenschlachten hätte ziehen können. Meistens hielten sie dazu eine akustische Gitarre in der Hand. Die Botschaft war: Wir sind romantische Mädchen, auch verletzlich irgendwie, aber wir haben einen unheimlich starken Auftritt und wissen viel zu viel vom Leben, als dass uns noch irgendetwas umwerfen könnte. Und wer uns doof kommt, dem treten wir gleich auf die Füße.

Wenn diese Haltung nun wieder aufgegriffen wird, ist es sicher nicht das schlechteste Statement. Und glücklicherweise kommen die Frauen mittlerweile ohne Blümchenkleidung aus. Dass die Profilsohlenschuhe der neuen Generation wesentlich teurer sind als die klobigen Dr. Martens, bringt leider mit sich, dass sie sich nun nicht mehr die dazugehörende Gitarre leisten können. Auch nicht das Schlechteste, eigentlich.