Häufig und besonders eindringlich träume ich vom Wasser, oft vom Meer. Schon als Kind war ich eine Wasserratte, vielleicht liegt es daran. Als junges Mädchen war ich jede Woche zwei-, dreimal im Schwimmbad. Gerade habe ich einen Film über eine Leistungsschwimmerin gedreht, während der Dreharbeiten bin ich natürlich viel geschwommen und habe dabei wieder festgestellt, wie wohl ich mich im Wasser fühle.

Ich empfinde Wasser als extrem beruhigend: Die Geräusche sind gedämpft, das Licht verändert, ich kann für mich und bei mir sein. Das strahlende Blau des Pools vermittelt mir Ruhe und gibt mir Kraft. Es leert den Kopf und klärt die Gedanken.

Manchmal sind meine Wasserträume allerdings auch beängstigend. Ich träume häufig von dunklen Gewässern, in die kaum Sonnenlicht dringt, von düsteren Gebäuden auf dem Meeresgrund, die ich erkunden muss. Vor dem Meer habe ich sehr großen Respekt. Ich erinnere mich an einen schlimmen Traum vor wenigen Wochen, da bin ich mit der Absicht zu sterben ins Meer gegangen. Es war Nacht, ich bin hinausgeschwommen in die schwarzen Fluten und habe auf den Moment gewartet, in dem meine Kräfte erlahmen und ich ertrinke. Als ich schließlich versank, ging gleichzeitig die Sonne auf. Das Licht ließ das Wasser in schillernden Farben strahlen. Dann bin ich aufgewacht. Dieser Traum hat mich überrascht, keine Ahnung, wo der herkam. Eigentlich untypisch für mich.

Ich erinnere mich gern an meine Träume, ich versuche, sie nach dem Aufwachen zu bewahren. Neben meinem Bett liegt ein Notizbuch, in dem ich sie notiere, damit sie mir nicht verloren gehen. In aller Tiefe und Ausführlichkeit analysieren möchte ich meine Träume nicht, das würde ihnen etwas von ihrem Zauber nehmen. Manchmal rufe ich morgens meine beste Freundin an, und wir erzählen uns gegenseitig, was wir geträumt haben.

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Als ich im vergangenen Jahr zusammen mit meiner Schwester in unserem Heimatort Michelstadt ein Hotel eröffnet habe, war mir sofort klar, dass so ein Notizbuch in jedem Zimmer auf dem Nachtschrank liegen sollte. Ich wollte unseren Gästen die Möglichkeit geben, ihre Träume aufzuschreiben, ihre Tag- und Lebensträume, aber eben auch ihre Nachtträume. Da ich selbst oft in Hotelzimmern übernachte, weiß ich, wie der Raum, das Bett, die Matratzen, das Kopfkissen den Schlaf und die Träume beeinflussen.  

Unser Hotel heißt: Die Träumerei. Damit habe ich mir einen Traum erfüllt, wir haben es nach unseren Vorstellungen gestaltet. Meine Wohnung fertig einzurichten gelingt mir dagegen nicht. Weil ich spüre, dass ich nicht lange dort leben werde. Ich träume von einem alten Haus, vielleicht am Meer, es muss nicht in Deutschland sein. Ein Haus mitten in der Natur. Mit einem großen Pool natürlich.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

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