Netzeitung gegründet wurde. Eine papierlose Zeitung mit einer richtigen Redaktion, 40 feste Mitarbeiter und viele freie, die journalistische Zukunft in die Gegenwart holen: Print war gestern! "Aus Prinzip schneller" – so hieß das selbstbewusste Motto auf den Redaktionsfenstern, das am Bahnhof Friedrichstraße jeder S-Bahn-Fahrgast vorbeiziehen sah.

Man hatte Großes vor im großen Jahr 2000, als in Berlin die

Doch das Große wurde immer kleiner, und nun geht es ganz klein zu Ende. Die 14 verbliebenen Mitarbeiter der Netzeitung müssen zum Jahresende gehen. Das hat der Kölner Verlag DuMont als aktueller Eigentümer dieser Tage mitgeteilt. Unter netzeitung.de soll von Januar an nur noch ein "automatisiertes Nachrichtenportal" zu sehen sein – was immer das heißen mag. Auf die papierlose folgt die mitarbeiterlose Zeitung.

Die Netzeitung ging an den Start, als die Blase der New Economy gerade platzte. Zehn Jahre lang versuchte sie, profitabel zu werden. Der ehemalige Chefredakteur erst der Berliner Zeitung und dann des sterns, Michael Maier, prägte das virtuelle Blatt längere Zeit. Viele kleine Ideen machten das Unternehmen der Branche sympathisch. Ein SMS-Nachrichten-Abonnement gab es und viele Interviews mit Politikern aus der zweiten und dritten Reihe, die mehr sagten als ihre Chefs.

Besser wurde es nie. Fünfmal wechselte die Redaktion den Besitzer. Zuletzt verkaufte sie der britische Investor David Montgomery, der als Heuschrecke einige Löcher in den Berliner Blätterwald gefressen hatte. Aus dem ambitionierten Journalismus war da schon ein Notprogramm geworden. Immer fehlte es an Lesern und Einnahmen. Man lebte von 2005 an von ProSiebenSat.1, lieferte den Videotext dort zu. So subventionierte das alte Medium Fernsehen das neue Medium Internet, wie ja auch nahezu alle Zeitungs-Online-Redaktionen von Erlösen des Gedruckten leben.

Verleger heute verdienen durchaus im Netz – bloß nicht durch Journalismus. Früher kam das Geld durch Werbung, die zu Nachrichten, Reportagen und Analysen gedruckt wurden. Heute betreiben die Verlage Portale, in denen man Autos, Häuser, Lebenspartner und Studienfreunde finden kann. Einige davon sind profitabel.

Abgeschaltet wird netzeitung.de nicht: Solange Nutzer auf die Seite stoßen, verdient der Verlag an Werbung. "Aus Prinzip schneller" – das Schild hängt noch am Fenster. Man war zu schnell weg, um es noch abzunehmen.