Die zentrale Frage der Obama-Außenpolitik – besser geliebt als gefürchtet? – bleibt unbeantwortet, aber derzeit liefert Iran den Skeptikern wieder reichlich Anschauungsmaterial. Am 1. Oktober sah es in Genf so aus, als müssten die Realpolitiker ihren Hut vor Obamas Entspannungspolitik ziehen. Erstmals hatten die Amerikaner ganz offiziell mitverhandelt, und schon brachte Annäherung den Wandel. Die Offerte war eine kreative diplomatische Volte. Der Westen und Moskau versenken vier UN-Resolutionen, die den totalen Verzicht auf Uran-Anreicherung fordern, in der Ablage. Im Gegenzug schafft Iran sein niedrig angereichertes Uran (LEU, 3,5 Prozent) ins Ausland, wo es in hoch angereichertes (HEU, 19,5 Prozent) verwandelt und in einen Forschungsreaktor in Teheran zurücktransportiert wird.

Nun aber wusste der Quasi-Außenminister der EU, Javier Solana, in Washington Bitteres zu berichten. New York Times und Washington Post zitieren einen "ungenannten" hohen EU-Offiziellen, unschwer als Solana auszumachen, mit dem lapidaren Satz: "Iran will sein LEU nicht exportieren." Das sei keine "Kleinigkeit", sondern der "Kern" des Deals. Außerdem sei Iran nicht, wie versprochen, an den Verhandlungstisch zurückgekehrt.

Schuld daran sei der innere Machtkampf, in dem ausgerechnet Präsident Ahmadineschad den Deal bejahe, ein Reformer wie Mussawi ihn aber ablehne. Das Paradox ist leicht zu knacken. Ahmadineschad will etwas Ruhe an der Außenfront, Mussawi will Druck. Bloß greift diese Analyse zu kurz. Religionsführer Chamenei müsste nur ein Wörtchen sprechen, aber auch er, so hört man es aus Teheran, sage Nein.

Natürlich ist das nicht das Ende einer sechs Jahre alten Geschichte (seit 2003 versucht die EU-Troika, die Anreicherung zu stoppen). Sie lässt aber keine Saulus-Paulus-Nummer erwarten. Schon damals sprach Außenminister Charasi von einem "unumkehrbaren Weg". Damals war die Bedingung: totale Transparenz, totaler Anreicherungsstopp. Vier UN-Resolutionen später hat nun Iran ein viel besseres Angebot bekommen: Anreicherung bis zum LEU-Grad darf sein, aber nicht HEU-mäßig bis auf 19,5. Folgerichtig triumphierte Ahmadineschad vor zwei Wochen: "Vor ein paar Jahren wollten sie einen kompletten Stopp. Schaut her, wo wir jetzt sind."

Wer so lange so zielstrebig an einer Bomben-Option gearbeitet hat, wird schwerlich aufhören, wenn Konzessionen à la Genf präsentiert werden. Der ungenannte "hohe EU-Diplomat" verriet der Washington Post: "Wir schicken ihnen täglich harte Botschaften: Dies ist ein guter Deal, akzeptiert ihn!" Ob es hilft? Inzwischen sind die Iraner schon weiter. Sie kungeln mit Erdoğan in Ankara und Lula in Brasília, die gern den Vermittler spielen wollen. Alles, um wie seit Jahren Zeit zu schinden…

US-Senator Joe Lieberman erinnert daran, dass noch jeder Deal mit Teheran geplatzt sei. Selbst Solana murmelt von "harten Sanktionen", dito der Senator Charles "Chuck" Hagel, ein moderater Republikaner. "Harte Sanktionen"? Lassen wir Solana in Moskau und Peking nachfragen, die solche bislang zuverlässig abgeblockt haben.