DIE ZEIT: Die GTZ hat in den letzten sechs Jahren mehr als 8000 sogenannte Energiemanager in Indien ausgebildet. Mit welchem Ziel?

Jens Burgtorf: Das indische Energieministerium hat im Energieeinspargesetz von 2001 festgelegt, dass Großverbraucher in der Industrie regelmäßig ihren Energieverbrauch und die Fortschritte, die sie im Bereich Energieeffizienz erzielen, nachweisen müssen. Dafür stellen die großen Unternehmen Energiemanager ein.

ZEIT: Was machen solche Manager genau?

Burgtorf: Es geht zum Beispiel um den Energieverbrauch in Gebäuden: Die Energiemanager untersuchen, mit welcher Gebäudesubstanz sie es zu tun haben, wie viel Sonneneinstrahlung die Räume erhalten, welche Isolierung vorhanden ist, wie die Beleuchtungsverhältnisse sind oder welche Belastungen es durch zusätzliche Wärme gibt. Nach der Bestandsaufnahme kann man erarbeiten, was sich verbessern lässt. Zum Beispiel werden dann wenig effiziente Standardglühlampen durch Energiesparlampen ersetzt.

ZEIT: Braucht man dafür die GTZ?

Burgtorf: Jedenfalls hat sich das Energieministerium an uns gewandt, um diese Zusatzausbildung zu entwickeln. Es nehmen Ingenieure teil, Physiker oder Chemiker, alles Leute mit Berufserfahrung, die sich sagen: Das erhöht meine Chancen am Arbeitsmarkt, diese Prüfung mache ich. Und die ist wirklich hart, es fallen jedes Jahr Leute durch. Inzwischen ist das Programm vollständig in indische Hände übergegangen und finanziert sich selbst durch die geringen Beiträge, die die Teilnehmer zahlen.

ZEIT: 2003 wurde von der indischen Regierung und der GTZ das Büro für Energieeffizienz gegründet. Wie kommt es, dass die GTZ so eng mit der indischen Regierung zusammenarbeitet?

Burgtorf: Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien geht jetzt ins 51. Jahr. Die GTZ gehört zu 100 Prozent der Bundesregierung. Die politischen Vorgaben macht das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). In Indien und anderen Schwellenländern geht es unter anderem darum, einen alten Kreislauf zu durchbrechen: dass Wirtschaftswachstum nur durch einen enormen Energieverbrauch ermöglicht wird.

ZEIT: Wie helfen Sie dabei?

Burgtorf: Wir zeigen, wie Energie sparsamer eingesetzt werden kann. Sie kennen vielleicht aus Deutschland die Kennzeichnung von Kühlschränken mit Effizienzklassen. Wir haben zusammen mit unseren Partnern so ein System eingeführt, das sogenannte Star-Label – Aufkleber mit bis zu fünf Sternen für die höchste Effizienzklasse. So etwas gibt es jetzt für Kühlschränke, für Lampen und Transformatoren.