Die Entfernung von dem Banksafe in der Zürcher Bahnhofstraße bis zum Deutschen Literaturarchiv auf der Schillerhöhe 6–8 in Marbach am Neckar beträgt 246 Kilometer. Wenn man gut durchkommt, ist man in zweieinhalb Stunden da. Im Falle der spektakulären Kafka-Handschriften aber, die seit 1956 in dem Banksafe 6588 in Zürich liegen, dauert der Transfer jetzt bereits 53 Jahre. Und in der Sekunde, in der die heutigen Eigentümerinnen der Kafka-Handschriften, die Schwestern Eva und Ruth Hoffe in Tel Aviv, sich nach jahrzehntelangem Zögern, Herantasten, Voranpreschen und Zurückzucken jetzt endgültig entschieden hatten, diese komplett nach Marbach verkaufen zu wollen, erhebt urplötzlich der Staat Israel Anspruch auf die Schriftstücke und bezeichnet sie als "nationales Kulturgut".
Literarisches Erbe: Wem gehört Kafka?
In einem Banksafe in Zürich liegen noch wertvolle Handschriften Franz Kafkas. Israels Nationalbibliothek leistet erbitterten Widerstand gegen deren Verkauf an das Deutsche Literaturarchiv. Dokumente, die der ZEIT vorliegen, legen nahe, dass diese Ansprüche keine Rechtsgrundlage haben