Ein Scharfschütze knallt am helllichten Tag einen kahl geschorenen Nazi ab. Der Nazi ging in der Rolle des aufrechten Deutschen völlig auf, Gesinnung und Gesöff machten ihn zum scharfen Hund. Der Vater erteilte dem ungeratenen Sohn ein Hausverbot, die Mutter beließ es bei fürsorglichen Rügen.

Die Kommissare Max und Freddi eilen von den trauernden Eltern zur trauernden Türkin Frau Aydin – sie hat Mutter und Vater bei einem Brandanschlag verloren, sie betreibt ein Kebab-Wirtshaus. Max lächelt die mit Tau betropfte Rose aus Anatolien schüchtern an. Freddi grunzt ob seines Kollegen Balzgetue, es zählen in diesem wie in jedem Fall nur die harten Fakten.

Ein zweiter Nazi wird erschossen: Wer ist der Nazijäger, und ist der Jäger der Rächer der verbrannten Eltern von Frau Aydin? Es wurden damals drei Männer und eine Frau angeklagt, den Brandanschlag verübt zu haben. Kurt Keller bekam lebenslänglich, zwei Mörder sind tot, auf der Abschussliste steht noch die ruppige Astrid. Sie hat sich vom Punklieschen zur Skinbraut gewandelt; das arme Mädchen, denken wir, es hat die falschen Freunde, es säuft sich halb tot und hängt die Reichskriegsflagge im Badezimmer auf. Der Suff ist für die Verlierer ein Segen, der herrlich rabiate Freddi bleibt nüchtern. Er sagt: Ich habe es nicht gerne, wenn irgendwelche Superdeutschen mein Land und meine Kultur versauen.

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Also schlüpft er in ein Fred-Perry-Shirt und in eine Bomberjacke und wird doch kein anderer Mensch. Die schöne Frau Meyer-Brinkmann vom Verfassungsschutz vermittelt den Kontakt zu V-Mann Olaf. Er sagt beim ersten konspirativen Treffen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen, verstehen Sie? Nö, wir verstehen nicht, wir verstehen nur, dass diese Schlägertype sich allen Parteien andient. Der Terrorrechte Kurt Keller spielt den hartgesottenen Knastarier, ihm schwillt die Brust, weil er einen Trupp böser Buben befehligt. Auf das Amt des Reichsführers erhebt aber auch der Rechtsanwalt Helmut Hartmann Anspruch. Helmut macht auf nationale Partei; er wanderte von links nach rechts außen und buhlt nun im bürgerlichen Kostüm um des Pöbels Gunst. Die Verfassungsschützerin sagt: Manchmal muss man kleine Brände legen, damit das große Feuer gelöscht wird. Vom Weltenbrand träumen also die Herren Keller und Hartmann – es ist der Traum von Knirpsen, die zu Riesen wachsen wollen.

Max und Freddi schießen sich auf Olaf ein, der V-Mann spielt falsch. Er riskiert Kopf und Kragen – er tut dies nicht Meyer-Brinkmanns schöner Augen wegen und auch nicht für einen Kasten Bier. Freddi findet es unschön, verarscht zu werden; auch Max ist sauer, weil er von Glatzen halb tot geprügelt wurde und auf Krücken gehen muss. Also eröffnen sie die Jagd auf die Terrornazis. Wir haben die Einladung zu einem rauschenden Fest ausgeschlagen, um diesen Film zu sehen. Es war die richtige Entscheidung.

Wdh., ARD, Freitag 21.45 Uhr