"Es müsste schon mal untersucht werden, wie sich das alles auf das innere Gefüge der Truppe auswirkt", sagt Uwe Köpsel, Landesvorsitzender Ost des Bundeswehrverbandes. Er stammt aus dem Westen und hat selbst lange im Nachwuchsgewinnungszentrum in Berlin-Grünau gearbeitet. Die Sozialisation der Ostdeutschen, da ist er sich sicher, sei auch zwanzig Jahre nach dem Mauerfall noch eine andere. Eltern und Großeltern, die vielleicht einst in der NVA dienten, hätten die Jungen sicher geprägt. "Damit muss man sich doch auseinandersetzen!"

"Im praktischen Zusammenleben der Truppe", meint Reinhold Robbe, Wehrbeauftragter des Bundestages, "spielt die Herkunft überhaupt keine Rolle". Aber wenn die Bundeswehr wirklich ein Spiegel der Gesellschaft sein solle, dann "muss man schon fragen, ob das Ost-Übergewicht unter dem Stichwort Gerechtigkeit angemessen ist". Robbe berichtet auch, dass in den neuen Ländern mehr Soldaten ihren Dienst gegenüber Freunden und Angehörigen rechtfertigen müssten; bekanntlich ist die Ablehnung der Nato und der Auslandseinsätze in Ostdeutschland weit verbreitet.

Der Bündnisgrüne Peter Hettlich fragt, was es für die ostdeutsche Gesellschaft bedeute, wenn viele junge Männer im Auslandseinsatz Gewalt erfahren haben und womöglich traumatisiert sind. Man könnte sich auch fragen, wie ein Landstrich damit umgehe, wenn immer wieder Särge aus Afghanistan auf dem Flughafen ankämen. Doch einerlei, welchen Bundeswehr-Offiziellen man um eine Stellungnahme bittet – sie winken ab. Auch unter Ostdeutschen herrscht dazu ein großes Schweigen. Hettlich wundert sich bis heute, dass kaum eine Regionalzeitung sich für seine Anfragen interessiert hat. Er vermutet, den Ostdeutschen sei die Sache "peinlich"; redeten sie offen drüber, "müssten sie zugeben, dass sie sozial immer noch in einer anderen Liga sind". Und mit den Afroamerikanern, sagt Hettlich, wollten sich die Leute wirklich nicht vergleichen.

Mitarbeit: Cornelius Pollmer