Auf in die Berge, in die Sonne, in den Schnee, hinaus an die Luft, Frösteln und Schwitzen gehören dazu. Winterferien sind was für die Sinne, auch für die Ohren. Noch durch Schal und Mütze dringen das Schmatzen der Stiefel, der zischende Wind und, vor der Einkehr, der trunkene Lärm aus der Hütte.

Braucht es da Musik? Eigentlich nicht. Aber heute geht ja kaum noch ein Zeitgenosse ohne sein Abspielgerät vor die Tür. Und wenn der iPod denn schon mit in den Urlaub fährt, dann sollte auch Geeignetes drauf sein. Bloß was? Gibt es bergtaugliche Musik? Lieder für den Schnee? Ja. Sogar jede Menge. Und für verschiedene Hörer. Familien, Paare, Singles. Wir haben uns umgehört.

Da sitzen Vater, Mutter, Kind und Kind im endlosen Stau auf der Autobahn, der Tag verdämmert, die Alpen kommen nicht näher, die Nerven liegen blank. Papa greift zum Gute-Laune-Tool, drückt das Knöpfchen, und schon schlagert es laut heraus, bitte mitsingen:

Warum schaut der Peter / Auf das Barometer? / Was ist wohl der Grund dafür? / Lieber Freund, ich sag es dir: / Peter meint, das Wetter / Wäre doch viel netter / Wenn es zur schönen Winterszeit / Draußen tüchtig schneit. / Na klar, na klar! / Das wär doch wunderbar! / Hei, hei, hei so eine Schneeballschlacht / Das ist was für die Großen und die Kleinen / Wenn Frau Holle ihre Betten macht / Ja, dann braucht die liebe Sonne nicht zu scheinen.

Von 1951 ist das. Da hat Conny Froboess, "die kleine Cornelia", es mit den Schöneberger Sängerknaben geträllert, "begleitet von Kurt Drabek und seinen Solisten". Man kann dieses Lied als unverwüstlich bezeichnen. Aber wird es sechs Jahrzehnte später noch dämpfend wirken? Oder bricht an Bord des Family-Vans völliger Tumult aus? Immerhin steigert es die Vorfreude aufs Angekommensein.

 Dann das frische Paar, das sich noch nicht vermehrt hat, zärtliches Stelldichein auf der Hütte, mit welchem Ständchen könnte der junge Mann die junge Frau erfreuen? Vielleicht mit dem Schnee der Hamburger Gruppe Ludwig, die ihre Zeilen zur Gitarre sanft und leicht einschweben lässt?

Schnee / Flockengleich und weiß / Wie ein Himbeereis / Du stehst in deinem Mantel da / Als trügest du dein Herz im Haar. / Ich sehe dich im Winterlicht / Was anderes interessiert mich nicht

Sehr poetisch. Und es hat dieses Quäntchen Übermut. Himbeereis und Schnee, wer hat das je zusammen gesehen? Wiewohl, wenn man es recht bedenkt – im hüttenüblichen Durstlöscher, dem Skiwasser, hat das Duo zur flüssigen Form gefunden, durchaus lecker.

Zweisamkeit in den Bergen ist ein Dauerknaller der modernen Volksmusik. Von G. G. Anderson stammt dieser lawinenartige Schmachtfetzen, der jeden Zweifel unter sich begräbt:

Zwei Herzen im Schnee / Die sich gleich so gut verstehen / Zwei Herzen im Schnee / Die dem Glück ins Auge sehen / Und so verliebt zu sein in der Winterzeit / Wenn es draußen schneit / hmmm… hmmm…

Das schwärmerisch gesummte hmmm… hmmm…, das ist schon doll. Aber auf Gottes schrägem Erdboden (und in den Bergen ist er verdammt schräg) ist die Beziehungsrealität oft eine andere. Wie gut, wenn die Wildecker Herzbuben, ohne ihren Hang zur Romantik zu verleugnen, auch Schattenseiten des Daseins ansprechen:

Eine Rose liegt im Schnee / Eine Rose sagte leis ade / Wem gehörte diese Rose nur / Find nur eine Tränenspur

Es geht eine Träne auf Reisen im Schnee, Hut ab! Das macht gleich wieder gute Laune.

Sehr viel technischer nähert sich das neue deutsche Frl. Menke den alpinen Höhepunkten:

Ich sitz im Sessellift und freu mich schon / Nur noch ein Stückchen bis zur Bergstation / Dort gibt’s noch sehr viel zu erklimmen / Ich brauch den Auerhahn die Gams das Reh / Bergwelt-Idylle und ewigen Schnee