"Die berühmten israelischen Kibbuzim", bemerkte der Satiriker Ephraim Kishon einmal in den sechziger Jahren, "sind ein Unikum in der Geschichte: die einzigen landwirtschaftlichen Kollektive, die auf freiwilliger Basis errichtet wurden und die ohne Geheimpolizei, Schnellgerichte und Hinrichtungskommandos weiter bestehen. Die Sowjetunion hat gegen diese Provokation wiederholt Einspruch erhoben." Kishons Scherz ist von der Realität lange schon überholt: Der Kibbuz hat den Sozialismus sowjetischer Prägung bereits um zwei Jahrzehnte überlebt, gleichwohl hat er sich von seinen ursprünglichen sozialistischen Ideen längst entfernt.

Kibbuzim sind, vereinfacht gesagt, genossenschaftliche Einrichtungen ohne Privateigentum und privatwirtschaftliche Tätigkeit, mit gemeinsamer Kasse, gemeinsamer Arbeit und Produktion sowie gemeinsamen Einrichtungen des Konsums und der Lebensführung. Die Kinder werden in Kinderhäusern erzogen. Die Verwaltung der Kibbuzim ist demokratisch, gewählte Ausschüsse sind für die verschiedenen Belange verantwortlich: für Wirtschaft und Finanzen, für die Arbeitsverteilung, der zumeist ein Rotationsprinzip zugrunde liegt, für Erziehung und Kulturelles. Regelmäßige Versammlungen der Mitglieder entscheiden über alle wichtigen Fragen.

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Die Idee stammt aus einer Zeit, als in Europa, das gerade die Hochphase der Industrialisierung durchlief, viel über "Lebensreform", über eine Erneuerung des Handwerks und der Landwirtschaft, über Schmiede und Scholle diskutiert wurde. So schien auch zu Beginn der zionistischen Bewegung das Leitbild vom kolonisierenden Bauern und handarbeitenden Juden auf: Auf dem 1. Zionistenkongress 1897 in Basel sprach Alterspräsident Karpel Lippe wortreich davon, "lebenskräftige, arbeitslustige junge Leute" nach Palästina "hinzubefördern", die "durch Arbeit und Fleiß das verwüstete Land in ein Eden verwandeln" sollten. Von Genossenschaften war aber noch nicht die Rede.