Guénola Kahlert, 39, arbeitet für den WWF

Nicht mehr als eine Straße trennt die Guten von den Bösen. Gegenüber von Guénola Kahlerts Büro leuchtet das Schild einer Fast-Food-Kette. "Da hat sich noch nie ein Kollege etwas geholt", sagt Kahlert, die als Umweltschützerin beim World Wide Fund for Nature (WWF) arbeitet. Ein ökologisch korrektes Leben ist erste Mitarbeiterpflicht. Sie selbst gönnt sich höchstens mal ein Stück Fleisch aus dem Biomarkt.

Seit April 2008 ist Guénola Kahlert, 39, die erste Wald- und Klimaexpertin der Naturschutzorganisation. An der Wand hinter ihrem Bildschirm hängen große Karten, auf denen Kahlerts Projektgebiete eingezeichnet sind: Russland, Ecuador, Indonesien. Sie kämpft gegen die Abholzung der Wälder, direkt in den Regionen, oft aber vom Frankfurter Schreibtisch aus.

In der deutschen WWF-Zentrale verbindet vor allem ein Projekt die Mitarbeiter: Mehr Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen. "Think before you print" steht auf einem Schild am Drucker. Daneben liegen Stapel von gräulich-braunem Recyclingpapier. Mindestens eine große Kampagne mit Postern, TV- und Radio-Spots fährt der WWF pro Jahr. Die aktuellen drehen sich um die Themen Wald und Klimagipfel. Für den Nachwuchs gibt es Feriencamps und Wettbewerbe. Vor wenigen Wochen durchquerten drei Mitglieder der WWF-Jugend den zentralafrikanischen Regenwald. Nun schildern sie ihre Eindrücke auf der WWF-Website und rufen andere Jugendliche dazu auf, "Regenwaldretter" zu werden.

Doch welche Strategie ist die beste, um für den Klimaschutz nicht nur zu kämpfen, sondern vor allem auch zu werben? Während der WWF mit Bildern von bedrohten Regenwäldern, majestätischen Tigern und Eisbären eher sanft auf die drohenden Katastrophen hinweist, setzt die Konkurrenz von Greenpeace auf Schlagzeilen in den Nachrichten. "Greenpeace arbeitet rein politisch und hat keine eigenen Projekte in den Ländern", sagt Kahlert. "Ich glaube, beides ist wichtig und hat seine Berechtigung."

Aber was kommt bei den Menschen an? Wen unterstützen sie im Zweifelsfall eher? Die fünf Greenpeace-Aktivisten, die vor einigen Tagen 26 Stunden lang auf einem Verladekran im indonesischen Urwald ausgeharrt haben und ihre Aktion mit der Forderung verbanden, dass sich die Regierungschefs dieser Welt auf ein faires, rechtsverbindliches Klimaschutzabkommen einigen sollen? Oder doch eher die mühsame Arbeit all der WWF-Helfer aus Guénola Kahlerts Team, die auf Borneo mit Spaten und bloßen Händen Dämme bauen, damit die letzten übrig gebliebenen Bäume nicht verdorren – während zur gleichen Zeit Plantagenbetreiber am anderen Ende der Insel neue Kanäle errichten, um das Tropenholz abzutransportieren.

Frustriert es die Umweltaktivistin nicht, dass sie an einer Stelle etwas bewegen kann – während an einer anderen gleichzeitig drei neue Probleme auftauchen? Sisyphusarbeit als Traumjob? "Wenn ich schon den Großteil meines Lebens mit Arbeit verbringe, möchte ich etwas tun, das Bedeutung hat", sagt sie. Schon als Zwölfjährige hatte sie alle Bände von Grzimeks Tierleben im Kinderzimmer stehen.

Nach dem Geografiestudium bewarb sie sich beim WWF und anderen NGOs, aber als Berufseinsteigerin ohne Erfahrung hatte sie keine Chance. Sie entschied sich für eine Stelle in einer Personalberatung, arbeitete in London, verdiente gut. "Eine so schöne Wohnung wie damals hatte ich nie wieder", sagt sie. "Aber das war mir zu wenig." Sie kündigte, ging noch einmal an die Uni, um Tropentechnologie zu studieren, und organisierte erste Umweltschutzprojekte in Nepal und Brasilien. Dann bewarb sie sich noch einmal beim WWF und bekam den Job.