Was für ein Zufall: Zeitgleich zum Klimagipfel haben Banken, Finanzberater und Medien das nächste Patentrezept zur Rettung der Welt parat – "grüne Geldanlagen". Ich soll mein Erspartes in Öko-, Nachhaltigkeits- oder Klimaschutzfonds investieren, sagen sie – und schon bremse ich die globale Erwärmung und mache zugleich ein Vermögen. In den Bankfilialen liegen neben den Geldautomaten Prospekte mit Bildern von Eisbären, Rapsfeldern und Blumenwiesen. Meist werben sie für Aktienfonds, die sich an Unternehmen beteiligen, denen man gute Geschäfte bei der Bekämpfung des Klimawandels zutraut. Mal heißen sie Klima-Safe-Kick, mal Klima-Garant, mal – etwas irritierend – auch Global Warming. Nach der Finanzkrise scheinen sie die einzig verbliebene Möglichkeit zu sein, Geld sicher und sauber anzulegen. Nie konnte man leichter ein Held werden. Und reich dazu.

Aber leider ist es so: Wenn schon die Zeit zum Klimaretten knapp ist – fürs weltgerechte Geldverdienen ist sie’s auch. Es stimmt zwar: Wer die Erderwärmung stoppen will, braucht Umwelttechnik. Effiziente Solarzellen gehören ebenso dazu wie alternative Treibstoffe, neue Motoren, bessere Filter. Wer Unternehmen Kapital zur Entwicklung und Vermarktung dieser Technik leiht, kann als Anteilseigner von deren Erfolgen profitieren. Doch leider gelten für grüne Geldanlagen die gleichen Gesetze wie für andere Anlageformen auch.

Wenn Medien einen neuen Finanz-Trend ausmachen, ist er meistens schon vorbei. Und bevor Großbanken das tun, haben sie schon selbst daran verdient. An der Börse haben dann bereits viele Anleger die Kurse in die Höhe getrieben. Der Naturaktienindex Nax beispielsweise bildet die Entwicklung von weltweit 30 besonders grünen Unternehmen ab. Er hat sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als der deutsche Standardindex Dax. Beneidenswert, wer rechtzeitig dabei war. Wer jetzt einsteigt, hat das Beste möglicherweise verpasst, ist beim nächsten Abschwung aber garantiert mit dabei.

© ZEIT-Grafik

Was "grün", "nachhaltig" oder gar "ethisch korrekt" bedeutet, muss jeder selbst herausfinden. Vor allem bei Aktienfonds, die in Hunderte Unternehmen investieren, ist das schwierig. Der Chemiekonzern BASF beispielsweise stellt nicht nur Insektizide her, sondern auch hoch effiziente Dämmstoffe zur Sanierung von Gebäuden. Ist er nun grün oder nicht? Und BMW? Das Unternehmen produziert seine Fahrzeuge umweltfreundlicher als die Konkurrenz – trotzdem bleiben es Autos. Um vermeintlich grünen Biodiesel herstellen zu können, werden Regenwälder in Brasilien und Indonesien noch schneller gerodet, damit dort noch mehr Pflanzen für den Alternativsprit wachsen können. Zwar spart die Welt auf diese Weise Erdöl – aber ist das ökologisch?

Darauf kann ich verzichten.

Was heute an den Börsen Umwelttechnik ist, waren vor ein paar Jahren Logistik, Biotechnologie und Telekommunikation: Hoffnungswerte. Damit konnte man zwar Geld verdienen – aber noch mehr Geld verlieren. Glaubt heute noch jemand, dass der Kauf von Telekom-Aktien eine gute Idee war? Mich zu ruinieren ist jedenfalls keine besonders nachhaltige Strategie und hilft weder der Umwelt noch mir.

Ich mache mir nichts vor. Natürlich habe ich eine Verantwortung für die Umwelt. Wie jeder Mensch in den Industrieländern trage ich eine Mitschuld am Klimawandel und versuche, etwas dagegen zu unternehmen. Meine Kleinfamilie mit drei Personen produziert weniger CO₂ als der Durchschnitt aller Haushalte in Deutschland – allerdings auch, weil ich gerade Elternzeit nehme und wenig reise.