ZEIT, die zusammen mit unseren Magazinen durchschnittlich 500 Gramm auf die Waage bringt. Zum Glück kommt der Zeitungsbote hier und da noch mit dem CO₂-verbrauchsneutralen Fahrrad.

Vom französischen Schriftsteller Romain Gary stammt der Satz: "Bei der nächsten Sintflut wird Gott nicht Wasser, sondern Papier verwenden." Bei den 250 Kilogramm Papier, die jeder Deutsche pro Jahr verbraucht, beim Blick auf die Papierberge auf den Schreibtischen, auf die zahllosen – wunderbaren, aber ungeöffneten – Bücher in den Regalen und auf die beeindruckenden Verpackungen von Geschenken scheint die Sintflut gut voranzukommen. Und dann erscheint auch noch ein Mal in der Woche die

Im Ernst: Ich möchte hier nicht darüber diskutieren, welchen Genuss dieses 500 Gramm schwere Papierpaket den Lesern bereitet. Das Thema ist: Können wir es ökologisch vertreten, weiterhin gehaltvolle Zeitungen zu produzieren und zu kaufen in Zeiten der Klimaveränderung? Wie viele Urwaldriesen müssen sterben, damit wir klüger werden? Oder würde es zur Rettung der Welt beitragen, wenn wir auf den Lesegenuss verzichteten und uns auf Nachrichten aus Fernsehen und Onlinediensten beschränkten? Zunächst: Zeitungspapier macht nur einen kleinen Teil des von uns täglich verbrauchten Papiers aus. Würde man das in Deutschland jährlich verbrauchte Klopapier stapeln, ergäbe dies einen Turm von 16.000 Kilometer Höhe. Oder, wie das Studentenmagazin ZEIT CAMPUS herausfand: Für die zwei Millionen Menschen, die derzeit an deutschen Hochschulen lernen, fallen im Laufe ihres Studiums für Hausarbeiten, Handouts und Papierservietten in den Mensen eine Million Bäume. Das entspricht 3500 Hektar Wald – oder der 16-fachen Fläche des Berliner Tiergartens. Zwar gibt es Alternativen zur herkömmlichen Papierherstellung aus Holzfasern: Papier aus Elefantendung. 50 Kilo Dung produziert ein Elefant pro Tag, genug für über 3000 Blatt Papier im DIN-A4-Format. In der Produktion wird der Dung angereichert und aufgekocht, um Bakterien abzutöten. Doch auch wenn Firmen in Afrika sich hier eine attraktive Geldquelle erschlossen haben, Papier aus Elefantendung eignet sich eher für Raufasertapeten und dürfte auch dort dem einen oder anderen Ästheten noch ein gewisses Unbehagen bereiten.

Und Online? Das Magazin Geo recherchierte, 30 Minuten tägliche Onlinenutzung entsprächen (für Entsorgung oder Stromverbrauch der Server) rund 35 Kilo CO₂ pro Jahr. Von der 30. Minute an empfiehlt sich deshalb die Papierlektüre, insbesondere in Deutschland, wo fast die Hälfte des Stroms aus Kohlekraftwerken stammt – darunter nach Angaben des World Wildlife Fund zehn der 30 klimaschädlichsten Anlagen in Europa.

Und die Urwaldriesen? Das Papier für die Produktion der ZEIT stammt von sogenannten A-Lieferanten. Diese verwenden hauptsächlich Recyclingpapier, das nur einen geringen Anteil von Frischfasern enthält, um das Papier stabil zu halten. Diese Frischfasern kommen aus Wäldern in Skandinavien. ALieferanten ernten nur so viel Holz wie nachwächst. Bei der Produktion von Recyclingpapier werden gegenüber der Produktion von Frischfaserpapier über 60 Prozent an Wasser, Energie und CO₂ gespart.

Zusammengefasst: Wer mit Freude und Genuss seine Zeitung liest, kann dies weiterhin ohne schlechtes Gewissen tun. Öfter Treppen steigen und Fahrrad fahren, Zähne putzen und Saft pressen ohne Strom, nicht heizen bei offenem Fenster, beidseitiges Drucken – das ist alles ökologisch viel wirkungsvoller und weniger freudlos als der Verzicht auf die geliebte Zeitung.

Rainer Esser Geschäftsführer des Zeitverlages