Werner Harms dreht den Zündschlüssel – und zu hören ist nichts. Doch der Kleinwagen, in dessen Kofferraum wir gerade Taschen und Mäntel für die Fahrt nach Oldenburg verstaut haben, ist nicht kaputt. Schon schnurrt er in Richtung Landstraße. Wir sitzen im E3, dem Elektroauto, das der nordwestdeutsche Energieversorger EWE zusammen mit dem Osnabrücker Autobauer Karmann entwickelt hat.

Die Karosserie stammt vom VW Polo. Auch Brems- und Beschleunigungsverhalten, Höchstgeschwindigkeit, Klimaanlage und Heizung sind vergleichbar. "Ich gebe jetzt mal Vollgas", sagt EWE-Mitarbeiter Harms. Seit zwei Wochen fährt er fast täglich E3. Problemlos fädeln wir uns in den Autobahnverkehr ein.

Die Fahrt dient dem "nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität". Mit 500 Millionen Euro will die Bundesregierung die größte Schwäche aller bisherigen Elektroautos beheben: Ihr energiespeichernder Akku soll bis zum Jahr 2020 leichter werden, weniger als die Hälfte kosten und schneller und öfter nachzuladen sein. Dann nämlich wäre der Stromantrieb endlich billiger als ein Benzin- oder Dieselmotor – und zudem noch klimaschonender.

115 Millionen Euro stehen für die Erforschung der nötigen Infrastruktur – Stromnetz, Ladestationen, Steuerung – zur Verfügung, acht Modellregionen sind ausgewählt worden, eine davon ist das norddeutsche Tiefland rund um Bremen und Oldenburg. Deshalb rollt der E3 jetzt zwischen Klein Garnholt und Hellermoor durch das Ammerland. Am Straßenrand werben Plakate für die "Remmi-Demmi-Party" am Wochenende, die höchste Erhebung ist der 40 Kilometer entfernte Nordseedeich.

Im Ammerland liegt die Herausforderung in der Kombination aus dünner Besiedlung und einem Windenergie-Anteil, der bei Flaute auf null fällt und an stürmischen Tagen auf fast 100 Prozent steigt. "Wir wollen herausfinden, wie sich Elektroautos da möglichst gut integrieren lassen", sagt Michael Westerburg, der das E3-Forschungsprojekt leitet. "Fahrzeuge sind nämlich Verbraucher, die sich sehr gut steuern lassen."

Eine Lösung lautet: intelligentes Netz. Elektroautos werden immer dann geladen, wenn es ein Windstrom-Überangebot gibt, also vor allem nachts. Wenn mittags die typischen Lastspitzen auftreten, speisen wiederum Autos (zum Beispiel jene von Pendlern, die auf Firmenparkplätzen stehen), den Strom aus ihren Akkus zurück ins Netz. Der Autobesitzer verdient daran, der Stromversorger spart teure Käufe an der Strombörse. So weit die Zukunftsvision.

Westerburg fragt sich: "Funktioniert die Anbindung von Millionen Kleinkunden auch in der Praxis, und lohnt sich der Verwaltungsaufwand dafür? Und was passiert, wenn in einer Kleinstadt alle Elektromobilisten nach der Rückkehr von der Arbeit ihr Auto gleichzeitig laden wollen?" Um das zu beantworten, musste ein Elektrofahrzeug mit allen Merkmalen eines typischen Pendlerautos her. So etwas gab es nicht, deshalb wurde der E3 gebaut. Wir sitzen im ersten und bislang einzigen Exemplar. Acht Stück sollen es insgesamt werden, jedes mit leicht anderer Technik, alle gelenkt von typischen Normalnutzern wie Werner Harms.