Der Punkrocksänger Campino (Die Toten Hosen) hat gerade in einem Interview mit Bild am Sonntag erklärt, er sei nunmehr mit seinen 47 Jahren "in einem Alter, wo ich nicht mehr besoffen auf der Straße gesehen werden möchte".

Nun, das ist verständlich, auch angesichts der hart erarbeiteten Prominenz des Sängers. Weniger verständlich ist seine Begründung: "Wenn man 20 ist, und läuft völlig breit vor ein Halteschild, hat das was Romantisches. Jung und besoffen, verziehen. Alt und besoffen ist eher traurig."

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Warum eigentlich? Ist es nicht gerade umgekehrt, und man verzeiht den Suff dem Alten, der eingesehen hat, dass das Leben nun mal kein Ponyhof ist (wie die momentan beliebte Formel lautet) und der solideste Trost noch immer aus dem Alkohol kommt? Während der junge Mensch etwas ganz und gar Trauriges hat, der seine natürliche Freude an den hübschen Ponys dieser Welt in Alcopops erstickt, anstatt sie auszuleben?

Indes hängt wahrscheinlich alles davon ab, wie man das Leben und seine Verwandtschaft mit einem Ponyhof einschätzt. Natürlich hat Campino unrecht nur dann, wenn die Ponys mit ihrem weichen Fell, den dicken Bäuchen und samtigen Mäulern tatsächlich zu einer Chiffre des Glücks taugten. Aber vielleicht hat der weise alte Punker ganz andere Erfahrungen mit den Ponys gemacht. Vielleicht weiß er, dass sie in Wahrheit bissig, störrisch und unberechenbar sind. Dass an ihnen alle romantischen Hoffnungen zuschanden werden, dass ihre Sturheit in Wahrheit das Halteschild ist, an das man immerfort rennt, und dann schon lieber besoffen!

Vielleicht ist Campino so erleichtert, endlich dem bösartigen Ponyhof seiner Jugend entronnen zu sein, dass er beim besten Willen keine Ausrede mehr für Suffexzesse findet. Dann hätte er recht, verflucht noch mal, dreimal recht! Unglücklich und alkoholgeneigt die Jugend, glücklich und trocken das Alter, das dem Streichelzoo entkommen ist.