Die Ernennung der erst 32 Jahre alten CDU-Bundestagsabgeordneten Kristina Köhler zur Nachfolgerin von Familienministerin Ursula von der Leyen hat für Überraschung gesorgt. Vor allem, weil sie nicht nur jung, sondern auch unverheiratet ist und keine Kinder hat. Aber braucht man das, um sich um die Familienpolitik zu kümmern? Den Contra-Artikel von Matthias Krupa finden Sie hier.

Ob sie die Richtige ist? Warum sollte sie die Falsche sein? Da wird eine Frau zur Ministerin, die seit über 18 Jahren in der Politik aktiv ist, seit sieben Jahren im Bundestag sitzt und zuletzt ein Direktmandat gegen die Sozialdemokratin Heidi Wieczorek-Zeul gewann – und trotzdem, die Frage nach Merkels neuer Personalie gerinnt zur gönnerischen Pose, ob die Neue es denn kann. Die Frage würde sich nicht stellen, wäre sie nicht weiblich, 32 Jahre alt und unverheiratet. Also mit Attributen ausgestattet, die mit pawlowscher Zuverlässigkeit zu Etiketten werden.

Die Medien nahmen sie ernst, konnten aber das Klischeehafte nicht lassen: "Mädchenhaft wirkend", schrieben sie, "Nesthäkchen", "schöne Blitzstarterin", "ledig", "von Familie keine Ahnung". Als müsste eine Frau Kinder haben, um eine gute Familienministerin abzugeben. Bei Ursula von der Leyen war es ausgerechnet ihr Nachwuchs, der am Anfang an ihrer Eignung für das Familienministerium Zweifel auslöste: Kann eine Frau mit sieben Kindern das? Und wie sie konnte. Nun wird die Frage neu aufgelegt: Kann eine Frau ohne Kinder das?

Niemand käme auf die Idee, bei anderen Ministern eine konzeptionelle Übereinstimmung zwischen dem eigenen Leben und dem Ministerium einzufordern. Niemand hat von Verteidigungsministern erwartet, gedient zu haben; selbst Finanz- und Wirtschaftsminister müssen kein VWL-Diplom vorweisen. Und dass Erfahrung und Alter nicht zwangsläufig Qualifikation bedeuten, beweist Wirtschaftsminister Rainer Brüderle mit erschreckender Zuverlässigkeit.

Es gibt brüchigere, sympathischere Lebensläufe als den von Köhler, der typisch für diese Generation von Politikern ist: Den geradlinigsten Weg ist sie gegangen, mit zwölf Jahren verehrte sie Helmut Kohl, und als sie alt genug war, trat sie der Jungen Union bei. Sie fand sich bestens im hessischen Konservativensumpf zurecht, sie fiel mit markigen Integrationssprüchen auf, sie weiß, wann sie schweigen und wann sie reden muss, um voranzukommen – aber das verrät wenig über Köhler als Familienministerin. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei eines ihrer wichtigsten Themen, sagte Köhler in einem Interview mit der BamS. Es scheint, als wolle sie fortführen, was ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen gegen alle parteiinternen Widerstände begonnen hat – auch, weil es dazu keine ernstliche Alternative gibt.

In Interviews hat Köhler betont, sie wolle sich vor allem um Jungen und Väter kümmern; sie kritisierte aber auch das Betreuungsgeld und erkannte gleichgeschlechtliche Beziehungen an. Was ließe sich, die wenigen inhaltlichen Bemerkungen zusammengenommen, darin für ein Bild künftiger Familienpolitik erkennen? Genauso gut könnte man im Kaffeesatz lesen.