Ist das wirklich nur ein altväterliches Beharren auf längst überholten gesellschaftlichen Normen? Bloß ein Freundschaftdienst der mächtigen Robenträger an die nicht mehr gar so mächtigen Träger der Talare und Messgewänder? Ein verzweifelter Versuch, die leeren Kirchen wieder zu füllen?

Vielleicht ist es auch das. Aber entkleidet man das "Adventsurteil" einmal aller juristischen und theologischen Formeln, dann bleibt etwas, das nicht vorgestrig anmutet, sondern aufregend aktuell. Was das Gericht da formuliert, entspricht der tiefen gesellschaftlichen Sehnsucht nach Entschleunigung, nach Auszeiten im mörderischen Rund-um-die-Uhr-Zyklus, nach Haltepunkten in der permanenten Zerstreuung. All das ist der Sonntag, auch für Atheisten und religiös Unmusikalische. Es ist der Tag von Tatort, Trödelei und Telefonaten. Eine Zwischenzeit. Ein Schwellentag zwischen zwei Wochen. Ein Moment zum Luftholen, Ausschlafen, Zeit verplempern. Wer wollte darauf verzichten? Einkaufen können wir auch noch Montag.