Wer bei Mamco Precision Molding in die Werkhalle geht, kommt an einem Schild vorbei. "Tough times don’t last, tough teams do". Wer hart genug ist, der überlebt harte Zeiten, heißt das sinngemäß. Solchen Zuspruch hat Mamcos Mannschaft bitter nötig. Drei Viertel der Belegschaft kostete die Krise vorübergehend ihren Job. Der Rest kämpft weiter mit der Rezession, die den Anbieter von Kunststoffspritzguss in der Kleinstadt Oneonta im Norden des US-Bundesstaates New York voll getroffen hat. In der Produktion geht es ruhig zu, zu ruhig für Mark Vergaris Geschmack. Bei belegten Broten sitzt Vergari, der den Familienbetrieb zusammen mit seinem Bruder Dave leitet, im einfachen Holzgebäude der Verwaltung. Sie reden über "den Kampf", wie sie ihr Krisenmanagement nennen.

Der Kampf begann vor knapp zwei Jahren. Plötzlich weigerten sich die Kunden – viele aus der Autoindustrie und Telekommunikation –, dem Zulieferer Vorabinformationen über ihre Auftragslage zu geben. Aufträge wurden storniert, der Absatz brach ein. "Wir haben uns von Monat zu Monat gehangelt", sagt Vergari. Über die Jahrzehnte hatte das 1964 gegründete Unternehmen eine Achterbahnfahrt hingelegt – der Umsatz schwankte zwischen 5 und 20 Millionen Dollar. Das war der Rekord Ende der neunziger Jahre.

Doch der jüngste Abschwung war so brutal wie keiner zuvor. Die Hausbank geizte mit Kapital. An allen Fronten versuchten die Mamco-Manager, Kosten zu sparen – fuhren nur noch eine Schicht, feilschten um die Telefonrechnung und Büromaterial. Kürzten die Löhne um 15 Prozent. Vergari arbeitete sich durch das Bürokratenlabyrinth, um in das Kurzarbeitsprogramm aufgenommen zu werden, bei dem der Staat New York ausgefallene Löhne teilweise ausgleicht. Doch die Ersparnis hätte nicht genügt. So entließ er Ende 2008 insgesamt 75 von 100 Mitarbeitern. Einige mussten ihren Arbeitsplatz innerhalb weniger Tage räumen, nach sechs Wochen waren alle weg.

Eine bittere Entscheidung. Nach amerikanischen Maßstäben ist Mamco eigentlich ein großzügiger Arbeitgeber, im Schnitt waren die Mitarbeiter 15 Jahre im Unternehmen. Doch schon vor der Rezession sah sich Mamco durch asiatische Billigkonkurrenz bedroht. Die Vergaris hielten mit Nischenprodukten und Spezialanfertigungen dagegen. Eine Stärke ist die Kombination des Kunststoffspritzgusses mit anderen Materialien wie etwa Metallen – damit lassen sich etwa Fassungen für Halogenlampen herstellen. Seit 2005 bietet das Unternehmen auch Druck- und Vakuumschalter an, die in Dialysegeräten, ABS-Systemen oder Waschmaschinen Anwendung finden. Noch während der Krise kaufte Mamco eine neue Maschine, die größere Gussteile fertigen kann. Weil die Aufträge fehlten, blieb die Maschine fast ein Jahr unbenutzt.

Doch langsam erhole sich die Nachfrage, sagt Francis Colone, der für den Vertrieb zuständig ist. Vor Kurzem habe sich ein Medizingeräteproduzent gemeldet und ein Haushaltsgerätehersteller habe wegen neuer Komponenten vorgefühlt. Sogar aus der Autoindustrie kämen positive Signale. Die vergangenen drei Monate liefen so gut, dass die Vergaris Mitarbeiter zurückholten. Jetzt arbeiten wieder 60 Leute bei Mamco. Vergari hofft auf schwarze Zahlen. "Wir sind ein Familienbetrieb in der zweiten Generation. Wir schaffen es in die dritte."