Helmut Schmeh ist keiner, der nur Staub aufwirbeln will, er ist ein Sauger und Feger, penibel und gründlich. Eine Stadt sollte schön aufgeräumt sein, sagt Schmeh, und dazu muss man den Schmutz, jedes Körnchen, einziehen, festhalten, wegbringen. Eine Herausforderung, sagt Schmeh. Eine für deutsche Ingenieure. Wie ihn.

Dank Helmut Schmeh, 43, gibt es jetzt den "Faun Viajet Filtair", der anziehender ist, als der Name klingt, der für größte Saugkraft steht und, mindestens, Grimmas Beitrag zur Lösung des Feinstaubproblems darstellt. Die Kehrwende auf dem Straßenreinigermarkt. Der perfekte Stadtstaubsauger. "Die sauberste Kehrmaschine der Welt", sagt Schmeh.

Seit 1991 schon fertigt die Faun Viatec GmbH, 100 Mitarbeiter, deren Chef Helmut Schmeh ist, in Grimma Kehrfahrzeuge. Die Firma ist gerade von Bundesregierung und deutscher Wirtschaft ausgezeichnet worden – im Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen". Schmehs Kehrer-Schmiede gehört damit zu jenen 17 Projekten, die im kommenden Jahr Sachsens Innovationskraft in der Welt repräsentieren sollen. Es gehe um nicht weniger als das sächsische Selbstverständnis als Forschungs- und Kulturland, sagt Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Sachsen kehrt der Welt nicht den Rücken, sondern die Straßen.

Schmeh, kräftige Statur, kurzes schwarzes Haar, braune Augen, schwäbelt etwas schneller, wenn er vom Viajet erzählt, diesem Einsaugwunder. Äußerlich ein normaler Lkw, in Müllwagen-Orange, auf Mercedes-Basis. Aber drinnen! Zu Hause, in Ravensburg am Bodensee, besaß Schmeh früher eine Straßenreinigungsfirma. Er überlegte, wie man die Geräte verbessern könnte. Irgendwann wechselte er die Seiten. Zu den Erfindern. "Die Marktlücke", sagt Schmeh, "haben wir auf dem Höhepunkt der Feinstaubdebatte entdeckt." Auch herkömmliche Straßenkehrmaschinen saugen alles weg, Pappbecher, Bierdosen, Kippen, Hundehaufen, Feinstaubpartikel. Aber den Feinstaub können sie nicht halten: Abrieb und Ruß, die Hinterlassenschaften eines fahrenden Volkes, werden zwar aufgewirbelt. "Doch das geht mit der Abluft wieder raus", sagt Schmeh. Die Lösung ist ein feinerer Filter, wie ein riesiger Staubsaugerbeutel, verfänglicher, durchlässig nur für die Luft selbst. Seine Maschine, sagt Schmeh, sei ein "High-End-Produkt". Die Luft, die rauskommt, sauberer als alles, was man so atme. 99,98 Prozent des aufgenommenen Feinstaubs sollen im Bauch des Wagens blei ben.

Zehn Exemplare der Grimmaer Erfindung sind verkauft, zwei davon nach Prag. Eines kostet, je nach Wünschen, 150.000 bis 250.000 Euro. Die Stadt Gelsenkirchen sei interessiert. Verhandlungen in Mailand laufen. Sauber.