Es ist ein paar Jahrhunderte her, da schmückten sich die Männer, dass es nur so glitzerte. Männer trugen prächtige Ketten, Ohrringe und Wämser mit schillernden Knöpfen. Wer am prächtigsten stolzierte, war der tollste Hahn am Hof des Königs. Dann kam die Französische Revolution, und viele der Hahnenköpfe wurden auf Stangen durch die Straßen getragen. Das Bürgertum übernahm die Macht – und mit ihm ein neues Männerbild. Der Herr sollte nicht mehr sich selbst ausstellen. Vielmehr sollte er sich zurücknehmen und nicht durch seine Aufmachung, sondern durch seine Taten bestechen.

Wer diesen Armreif von Bottega Veneta am Handgelenk trägt, zeigt, dass er nicht nur innere Werte hat

Seitdem hat sich auf der Welt eigentlich alles verändert. Nur nicht das Bild des Mannes in der Mode: Der Herr trägt eben einen schlichten Anzug. Und keinen Schmuck. Der bürgerlichen Moral folgend, darf er sich nur mit Sachen schmücken, die auch eine Funktion haben.

Mit einer Uhr etwa oder einem Manschettenknopf, einer Krawattennadel oder dem Trauring. In diesem Sinne ist die Modeindustrie auf die Französische Revolution nicht sonderlich gut zu sprechen. Und versucht unermüdlich, den Männern wieder Schmuck anzulegen. Leider läuft dabei einiges schief.

Offenbar hat man größte Befürchtungen, der geschmückte Mann könnte sich weibisch fühlen. Also wird, vorzugsweise aus Sterlingsilber, allerlei Klimbim geschaffen, der über jeden Vorwurf der Unmännlichkeit erhaben ist.

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Männern werden Ketten mit Totenkopf- oder E-Gitarren-Anhängern um den Hals gelegt. Gerne auch Armbänder aus grobem Leder mit indianischer Anmutung – oder martialische, die aussehen, als seien sie aus Gliedern einer Panzerkette zusammengefügt. Ringe werden vorzugsweise so gestaltet, dass nicht wirklich erkennbar ist, ob man damit schön sein oder jemanden zusammenschlagen möchte.