Es stimmt uns sehr übellaunig, dass neuerdings von Bruttoinlandslaune die Rede ist. Da kann man einer Nation auch gleich die Karten legen. Nicht der gewiefteste Bauer könnte am Grunzen seiner Schweine erkennen, wie viel Nettosülze sie hergeben. Ebenso wenig sagt das Fressverhalten eines Hundes über seine Bruttobissigkeit aus. Die kollektive Meinung und erst recht die kollektive Laune haben etwas Bedrohliches an sich – für Politiker ebenso wie für Marktstrategen. Das Wort Bruttoinlandslaune soll die Bedrohung bannen. Doch was ist mit diesem statistischen Budenzauber anzufangen? Wird er demnächst nach dem Wetterbericht verkündet? Nach dem Politbarometer? Das Wort Laune stammt vom lateinischen Luna ab. Wer weiß, hätten die Wahlen zum Bundestag bei Vollmond stattgefunden, wäre vielleicht alles anders gekommen. Was wird folgen? Die Nettogewaltbereitschaft? Die Bruttolibido? Überdies: Wie traurig muss jemand sein, der öffentlich bekannt gibt, wie glücklich er ist.

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