Ohne Pauken und Trompeten, so unauffällig, als ginge es auf eine ihrer zahlreichen Erprobungsfahrten, verlässt die Admiral Graf Spee in den Abendstunden des 21. August 1939 Wilhelmshaven. Um Mitternacht bleibt Helgoland an Steuerbord zurück. Das Panzerschiff fährt funkstill, abgedunkelt und unter voller Kriegswache, führt zur Tarnung die Positionslichter eines Frachtdampfers. Tagsüber wird nach Flugzeugen Ausschau gehalten.

Am 26. August, die Enge zwischen den Färöern und Island ist unbemerkt passiert, läuft die Admiral Graf Spee in einen Nordoststurm, 8 Beaufort und schwere See. Beim Spannen mannsichernder Strecktaue auf dem Vorschiff wäscht ein Brecher den Oberbootsmaat Herbert Matzker vom Deck. »Es war ein junger Berliner, ein Unteroffizier«, erinnert sich lange danach der Maschinengefreite Bernhard Dells. »Wir sahen ihn winken, dann war er weg.« Nach zwei Stunden wird die Suche eingestellt. Mit südlichem Kurs verschwindet das Panzerschiff in der Weite des Atlantiks.

Es war noch in den Tagen der Weimarer Republik gewesen, als die Graf Spee auf Kiel gelegt wurde. Der Versailler Vertrag hatte der deutschen Marinerüstung enge Grenzen gesetzt, und anders als bei den strikt verbotenen Flugzeugen, Panzern und Giftgasen, mit denen die Reichswehr in den Weiten der Sowjetunion klandestine Übungen unternahm, waren die küstennahen Werften leicht zu kontrollieren. Die Schiffe, die dem Reich verblieben waren, durften erst 20 Jahre nach Indienststellung durch Neubauten von höchstens 10.000 Tonnen Wasserverdrängung ersetzt werden.

Erste Pläne dazu gab es schon 1920. Doch gerade die Wiederaufrüstung zur See blieb, nach den gigantischen Flottenprogrammen der Kaiserzeit, ein Tabu. Die Propaganda der Rechten wurde lauter. Immer wieder fiel der Name Ostpreußen. Die Provinz im Nordosten war seit 1920 vom Reich durch den polnischen Korridor abgetrennt, ständig gab es Streit um die Transitwege. Die einzige verlässliche Verbindung, die über die Ostsee zwischen Swinemünde und Pillau, müsse gegen Polen gesichert werden. Im Übrigen sei auch dem Erbfeind Frankreich auf dem Atlantik wie im Mittelmeer Paroli zu bieten, und überhaupt: Wo bleibe die deutsche Seegeltung?