Klick. Ein penetrantes Summen, dann füllt sich das kleine Besprechungszimmer erst mit rötlichem, dann mit grellweißem Licht. "Mit den Energiesparlampen bin ich nicht wirklich zufrieden", sagt Willibald Kaltenbrunner, der gerade den Schalter gekippt hat und jetzt zweifelnd in das sterile Flackern äugt. Draußen, im dunklen Flur, sind die Umrisse von Fahrradhelmen erkennbar, die einige seiner Mitarbeiter auf Cola-Flaschen, die nicht ganz stilsicher zu Kleiderhaken umfunktioniert wurden, gehängt haben. "Wir leben vor, was wir unseren Kunden nahelegen", meint der Unternehmensberater, der im Businessanzug an einem langen Holztisch Platz genommen hat.

Deswegen erduldet er in seinem Büro die sterilen Ökofunzeln, werden hier gebrauchte Plastikflaschen einer neuen Verwendung zugeführt. Es gibt ein Firmenfahrrad, Kilometergeld für die Bahn und kein Licht im Gang, das Strom frisst. "Ich merk das schon gar nicht mehr", sagt Kaltenbrunner und lehnt sich entspannt in die Lehne seines blauen Plastiksessels. Seine Firma Denkstatt ist eine der Speerspitzen einer verhältnismäßig jungen Branche: der Zunft der Umweltberater. Sie erklären mittelständischen Unternehmern ebenso wie Großkonzernen, wie in Fabriken und Büros Energie gespart, Abfall vermieden, die Luft sauber gehalten und die Produktion möglichst umweltschonend gestaltet werden kann. Selbst das Betriebsklima zählt zur grünen Agenda. Für die Gestaltung des Miteinanders hat sich der schöne Begriff des sozialen Designs eingebürgert.

Während auf einem Klima-Gipfel, wie er gerade in Kopenhagen tagt, Politiker und Experten das große Ganze im Auge behalten und globale Ziele formulieren, die dann doch alle wieder verfehlt werden, sind Umweltberater an der Basis tätig: dort, wo der Dreck in die Welt geblasen wird. Längst haben die meisten Unternehmen begriffen, dass es höchst geschäftsschädigend sein kann, im Ruf des Umweltsünders zu stehen. Zunehmend verlangen die Konsumenten, die täglich von neuen Szenarien der Umweltapokalypse gebeutelt werden, dass Firmen der unterschiedlichsten Branchen ökologisch verantwortungsvoll agieren. Die grüne Weste zum Nadelstreif ist zu einem Modeaccessoire geworden, das immer größere Wettbewerbsvorteile mit sich bringt. Doch das schicke Ding gibt es nicht von der Stange.

Die Methode der Imago-Zellen soll die Wirtschaft erneuern

"Das ist ein langwieriger Prozess", sagt Willibald Kaltenbrunner und lächelt schüchtern. Auf dem Weg zum Ökomusterschüler bedarf es vieler kleiner, oft banaler Schritte. Ein erster in die richtige Richtung ist es etwa, wenn der Nahrungsmittelkonzern Kraft Foods seine Kaffeebeutel aus dünnerem Material herstellen lässt und dadurch jährlich Tausende Tonnen an Aluminium einspart. Oder wenn eine Bank ihren Mitarbeitern einbläut, Lampen und Verteilersteckdosen auszuschalten, wenn diese nicht benötigt werden. "Anschließend kann man diesen positiven Impuls auf andere Bereich ausweiten, den Prozess in Gang bringen." So etwas ziehe sich meist über Jahre hin, in denen immer wieder Beratungen fällig seien. Ein Tag mit einem Umweltberater kostet an die 1400 Euro, die Denkstatt machte im vergangenen Jahr knapp zweieinhalb Millionen Euro Umsatz. In Österreich heißt das: Marktführer.

Fünf bis zehn reine Umweltberatungsagenturen bearbeiten den österreichischen Markt. Angekurbelt wurde das Geschäft um die Jahrtausendwende, als die ersten Subventionen für umweltschonende Unternehmensführung flossen. Rund 140 Millionen Euro ließ sich der Staat im vergangenen Jahr diese Ökoförderung für die Wirtschaft kosten.

Wer allerdings ein wenig durch die Welt der Ökonetzwerke pirscht, merkt rasch: Es geht auch anders. Wer schnell und günstig Imagepflege braucht, kann sich gleich im Internet einen Persilschein kaufen. Zum Beispiel bei Climate Austria, einem Projekt der Kommunalkredit, das ein "maßgeschneidertes CO₂-Kompensationspaket" offeriert. Ein eigener Internet-Rechner kalkuliert eine Buße, der für den Energieverbrauch anfällt, der Obolus fließt in klimafreundliche Initiativen, und der Umweltsünder erhält ein Zertifikat für seine tätige Reue. Immerhin 80.000 Euro hat dieser moderne Ablasshandel im vergangenen Jahr eingebracht.