Ich liebe Kaffee. Oft trinke ich allerdings mehr davon, als ich sollte. Nicht zufällig wurde ich just zu der Zeit Kaffeetrinker, als ich meinen ersten PC mit MS-DOS bekam. Damals gewöhnte ich mir an, morgens zuerst den Einschaltknopf zu drücken und dann in den zwei Minuten, die die Kiste zum Hochfahren brauchte, Kaffee zu kochen. So mache ich es noch heute – bislang hat sich ja auch noch jeder neue Rechner seine zwei Minuten Zeit zum Starten genommen.

Ausprobiert – jede Woche eine technische Errungenschaft im Alltagstest © Getty Images

Wahrscheinlich scheffeln Bill Gates und Steve Jobs Milliarden mit heimlichen Beteiligungen an Kaffeeplantagen. Wie sonst ließe sich erklären, dass Ingenieure so tolle Dinge erfunden haben wie MP3-Player oder Hybridautos, ein startender PC aber immer noch ewig vor sich hinrödelt?

Das Warten soll bald Geschichte sein: Für 2010 hat Google ein fixeres Betriebssystem angekündigt, Chrome OS. Dessen Prinzip ist so schnell erklärt, wie es startet: Anders als bei Windows oder Mac OS besteht Chrome OS aus nur einem Programm, dem Browser. Alles weitere kommt aus dem Netz – natürlich denkt Google dabei an seine eigenen Dienste wie Mail, Maps oder Docs.

Dass das durchaus Charme hat, zeigt ein kleiner Versuch mit einer Vorversion der Open-Source-Variante Chromium OS. Diese lässt sich von einem USB-Stick starten. Reinstecken, Computer einschalten, fertig: Zwei Testgeräte waren in 20 Sekunden einsatzbereit – in der Zeit lässt sich höchstens eine Flasche Cola öffnen.

Ganz ersetzen wird Chrome OS die alten Betriebssysteme natürlich nicht – komplexe Bildbearbeitungs- oder Videoschnittprogramme etwa sind online noch nicht denkbar. Praktisch könnte es jedoch für den Zweitcomputer sein, mit dem man mal eben E-Mails lesen oder etwas bei Wikipedia nachschlagen will. Allerdings gibt es auch Nachteile. Zum einen unterstützt Googles Betriebssystem bisher nur wenig Hardware, auf einem Testrechner fand es nicht einmal die Wifi-Karte. Zum anderen muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass nicht nur alle Programme, sondern auch alle privaten Dateien wie Dokumente, Bilder und Mails nur noch im Netz – und das heißt: bei Google – gespeichert werden. Ist die lebenswichtige Verbindung unterbrochen, hat man plötzlich wieder ganz viel Zeit zum Kaffeekochen.