Vor etwa sechs Jahren erhielten rund 1000 Stammkunden des Biomöbelhauses Genske einen Brief. Der Chef des Unternehmens pries darin nicht etwa seine aktuellen Produkte im Bereich Naturholzmöbel an, sondern er bat um Geld. Seine Hausbank hatte ihm den Hahn abgedreht, jetzt pumpte er die Kunden an. Bei 13 von ihnen fand der Mittelständler Gehör. Sie stiegen als stille Teilhaber in das Geschäft ein und liehen Genske die benötigte Summe: 135.000 Euro.

Binnen kürzester Zeit war Johannes Genske kein klammer Bittsteller der Banken mehr, sondern wieder flüssig. Ein von der Deutschen Bank fällig gestellter Kredit über 90.000 Euro konnte abgelöst werden. Den Rest des Geldes steckte er ins Geschäft. Biomöbel Genske steigerte so die Umsätze von 2,5 Millionen Euro im Jahr 2003 auf fast drei Millionen Euro im vergangenen Jahr. Den Gewinn in den zurückliegenden Jahren beziffert der 56-jährige Firmenchef auf mehr als 200.000 Euro. Statt der angekündigten vier Prozent Rendite gab es für die stillen Teilhaber im Jahresdurchschnitt mehr als sechs Prozent.

Der Kölner Geschäftsmann Johannes Genske gilt als Pionier des Modells "Kapital von Kunden". Auch wenn sich Politik und Wirtschaft weitestgehend einig sind, dass noch keine Kreditklemme herrscht, so ist es doch für manchen kleinen Mittelständler derzeit schwierig, an neues Geld zu kommen. "Wir stellen fest, dass Unternehmen verstärkt über alternative Finanzierungskonzepte nachdenken", sagt Alexandra Böhne, Finanzierungsexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). "Durch die derzeitige Finanzkrise haben diese Formen der Kapitalbeschaffung an Schwung gewonnen."

Dass die Hilfe der Kunden funktionieren kann, zeigt auch das Beispiel von Peter Kohler in Erolzheim bei Memmingen. Er ist wie Johannes Genske Inhaber eines auf Naturholzmöbel spezialisierten Einrichtungshauses. Kohler wollte vor ein paar Jahren ein größeres Geschäftshaus nach neuesten Energiestandards bauen lassen. Für seine Idee erntete er bei seinen beiden Hausbanken zwar Beifall, Geld gaben sie ihm aber nicht. "Ich musste erkennen, dass eine zehnjährige positive Geschäftsentwicklung und stetige Umsatzzuwächse nicht ausreichten", erzählt Kohler. Für ihn begann ein "Spießrutenlauf" durch die Kreditabteilungen mehrerer Banken. Alle lehnten ab.

Aufgeben wollte der Unternehmer seine Expansionspläne aber nicht. Er nahm sich die Kölner Konkurrenz zum Vorbild und klopfte bei seinen Kunden an. Auch er gewann stille Teilhaber, außerdem eine Bürgengemeinschaft. Derart gestärkt, ging Kohler Mitte 2006 erneut auf Bankentour. Diesmal klappte es. Die GLS Gemeinschaftsbank, die spezialisiert ist auf die Finanzierung von sozialen und ökologischen Projekten, stieg ein. Ebenso stimmte jetzt die Bürgschaftsbank zu. Als auch die Raiba Illertal mitzog, bestellte Peter Kohler die Baumaschinen. Inzwischen hat das Unternehmen mehrere Auszeichnungen bekommen: Im Dezember 2008 den Umweltpreis des Landes, im selben Jahr den "Energie-Management-Award" und 2009 die Auszeichnung "Store Of The Year" des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels.

46 Kunden wurden zu Investoren – die Banken zogen nach

Die stillen Teilhaber und Bürgen sehen ihr Geld gut angelegt und erhalten eine feste Verzinsung von vier Prozent sowie Vergünstigungen beim Einkauf. Peter Kohler kann darauf verweisen, dass sein Umsatz um mehr als 30 Prozent zugelegt hat, seit er im neuen Haus ein erweitertes Sortiment anbieten kann. Bislang habe noch kein Gesellschafter oder Bürge sein Kapital zurückgefordert. Mittlerweile seien 315.500 Euro stille Teilhaberschaften gezeichnet, die sich auf 46 Anleger verteilen.

Auch Ulrich Prediger aus Freiburg braucht für seine geplante Expansion Geld, 200.000 Euro, und auch er hat sich notgedrungen für einen innovativen Weg der Mittelbeschaffung entschieden. Prediger bietet mit seiner Firma "LeaseRad" Unternehmen an, Fahrräder für ihre Mitarbeiter zu leasen. Diesen Service will er nun auch bundesweit bereitstellen. Derzeit hat Prediger eine Fahrradflotte von 100 Rädern. 600 sollen es schon bald sein, davon ein Drittel Elektroräder.