Die Frage: Marie und Stefan wohnen seit drei Jahren zusammen – und haben immer wieder Streit über ihre sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Ordnung und Hygiene. Stefan lässt alles um sich herum stehen und liegen. Manchmal legt er sogar seine gebrauchten Socken auf Maries Schreibtisch und entsorgt benutzte Wattestäbchen in der Toilette. Marie ist zunehmend genervt. Sie vermutet, dass Stefan einfach noch nicht erwachsen geworden ist. Immerhin ist er erst mit 32 Jahren von zu Hause ausgezogen und musste nie irgendwelche Verpflichtungen im Haushalt wahrnehmen. Stefan stört sich an den ständigen Vorwürfen seiner Freundin. Es beharrt darauf, dass er sie ja nicht zwinge, ihm ständig alles hinterherzuräumen. Sie solle sich einfach mit seinem Ordnungsverhalten abfinden. Aber das will Marie nicht.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ich fürchte, sie muss es doch. Es gibt kaum vergeblichere Mühen, als das Ordnungsverhalten des Partners ändern zu wollen. Manche Menschen betrachten das Leben als Setzkasten, in dem alles seinen Platz hat. Andere sind fürs Zwischenlagern. Alles wird erst einmal abgelegt, später kann man ja immer noch aufräumen. So wie Jäger und Sammler, die nicht den Müll entsorgen, sondern den Lagerplatz wechseln.

Setzkasten- und Zwischenlager-Menschen begegnen einander mit Unverständnis. Gefährlich sind Sätze wie: "Du weißt doch, wie mich deine Unordnung kränkt!" Stefan wird seine Zwischenlager nicht Maries Einrede opfern. Marie muss manches aufräumen, wofür sie nicht zuständig ist, und sich von Stefan auf andere Art dafür entschädigen lassen.